Ohetalschule: Leiterin Ingred Eckhardt verabschiedete sich gestern in den Ruhestand

Adieu im Viervierteltakt

Verna. Zwölf Jahre stand Ingred Eckhardt an der Spitze der Ohetalschule in Verna. Insgesamt 40 Jahre war die Fritzlarerin als Lehrerin tätig: Am Donnerstag verabschiedete sich die 63-Jährige in den Ruhestand, und zwar mit einem Festakt, bei dem Weggefährten, Kollegen, Vertreter des Elternbeirates und der Gemeinde zu Wort kamen, aber auch – und das war zweifelsohne der Höhepunkt – mit einem großen Schulfest. Hierfür hatte sich Ingred Eckhardt prominenten Besuch eingeladen: Musiker Christian Durstewitz, kurz Dursti, sang und spielte für die Gäste.

Musik statt vieler Worte – das hatte sich die scheidende Schulleiterin von allen gewünscht. Und so fasste sich der Reigen der Redner denn auch kurz. Das letzte Wort oblag schließlich Ingred Eckhardt selbst, die sich gern und gemeinsam mit ihren Gästen an ihre Schulzeit erinnerte. Nach Stippvisiten in Obermöllrich, Fritzlar und Jesberg trat sie die Stelle an der Ohetalschule an.

Stundenplan gab Takt vor

56 Jahre lang habe sie nun täglich ein Stundenplan begleitet. Doch nach 40 Jahren im Schuldienst falle ihr auf, dass ihre ganze Zeiteinteilung eigentlich ein Irrtum sei. „Eine Schulstunde dauert 45 Minuten. Wo sind denn nur all die Viertelstunden hin“, fragte sie sich. Sicher seien die auf ihrem Zeitkonto für den Ruhestand. „In einer Schulwoche sind es fünf Stunden, im Schuljahr 200 Stunden. In 40 Dienstjahren kommen 8000 Stunden zusammen, das sind ganze 333,3 Tage“, rechnete Eckhardt. So viel Zeit könne man nur im Ruhestand abarbeiten – und das beabsichtige sie jetzt auch zu tun.

„Projekt Ruhestand, dieser Gedanke verspricht: Taktänderung. Weg vom Dreiviertel- zum Viervierteltakt.“

Ingred Eckhardt

Und doch blicke sie gerade auf das vergangene Schuljahr kritisch zurück. Nervenaufreibend und bis heute ohne Erfolg sei der Kampf um die Besetzung der Schulleiterstelle und der der Konrektorin geblieben. Doch es habe trotz Frust und Stress auch konstruktive Formen der Zusammenarbeit gegeben: „In erster Linie denke ich da an die vertrauensvolle und engagierte Arbeit des Elternbeirats“, erläuterte Eckhardt. „Trotzdem will ich nicht verhehlen, dass es ein Kampf gegen Windmühlenflügel war.“

Kochen und Spaziergänge

Jetzt freue sie sich auf ihren Ruhestand, der doch vom Stundenplan als Regelinstrument geprägt sei. Sie habe sich schon Kochrezepte heraus gesucht, deren Zubereitung 45 Minuten dauert. Auch der Spaziergang mit dem Hund liege im selben Zeitfenster. „Doch das Projekt Ruhestand, dieser Gedanke verspricht eines: Taktänderung. Weg vom Dreiviertel- zum Viervierteltrakt – gewissermaßen zum Ganzen.“

Es war schließlich ein fröhlicher Abschied, den die Schüler mit ihrer Leiterin feierten: Auf dem Schulhof wurde gegrillt, die Zirkus-AG begeisterte mit akrobatischen Vorführungen. Und als Christian Durstewitz zum Mikrofon griff, da machten es sich die Gäste auf Bänken unter freiem Himmel gemütlich – schön war ´s.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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