Nico Müller will junge Menschen für Klassik begeistern

Zu Gast im Altkreis: Adoro-Star Nico Müller liegt die musikalische Fortbildung sehr am Herzen, daher ist er der Einladung der Musikschule Wolfhager Land gern gefolgt.

Naumburg. Er ist ein Sänger, der weit über eine Million CDs verkauft und mehrere Echo-Nominierungen eingeheimst hat. Adoro heißt das Projekt, mit dem er eine breite Masse für Klassik-Pop begeistert hat.HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann hat mit dem 31-jährigen Erfolgssänger Nico Müller gesprochen.

Er ist aber nicht nur Popstar, sondern auch klassischer Opernsänger. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er an der Musikschule Vogtland in den Fächern Gesang, Klavier und Akkordeon und war bereits zu dieser Zeit mehrfacher Preisträger bei Jugend musiziert. Somit weiß er, worauf es dem Nachwuchs der Musikschule Wolfhager Land ankommt, für die er am Ostersonntag im Naumburger Haus des Gastes auftritt.

Wenn ich gleich mit Adoro starte, finden Sie das schade? Sicher spricht ein professionell ausgebildeter Opernsänger doch lieber über wesentlichere Dinge, als über ein massentaugliches Klassik-Pop-Projekt, oder?

Nico Müller: Wieso denn schade? Adoro füllt derzeit den Hauptteil meines Lebens aus und ich bin sehr froh, ein Teil davon zu sein. Mit unserer Art, deutsche Popsongs in ein sinfonisches Gewand zu hüllen, konnten wir eine Richtung kreieren, die von sehr vielen Menschen gemocht wird. Wir singen auch alle fünf mit unseren klassisch ausgebildeten Stimmen und entwickeln uns diesbezüglich immer weiter.

War es für Sie Ansporn, durch das Projekt Adoro mehr Menschen als sonst für Ihre Kunst zu begeistern, oder ist es um den Beruf des Opernsängers so schlecht gestellt, dass Sie Opern- gegen Showbühne eintauschen mussten?

Müller: Seit Beginn meines Studiums bin ich irgendwie auf einer Abenteurreise, welche „Stimme“ heißt. Ich habe so viele verschiedene Sänger gehört, speziell aus den Bereichen Konzert, Oper, Musical und Pop, dass ich schon immer fasziniert war, was mit einer Stimme alles möglich ist. Das war und ist auch der Grund, mich mit den verschiedenen Stilen zu beschäftigen. Als sich damals die Chance mit Adoro ergab, war ich bereits an mehreren Theatern als Gast engagiert und konnte davon gut leben. Ich denke also, dass es eher eine Frage der Einstellung ist. Ganz besonders in Deutschland gibt es die Trennung zwischen U und E-Musik. Ich habe die Grenzen schon früher nicht gemocht. Jedoch jetzt zu behaupten, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen, wäre nicht richtig.

Es gibt für Sie auch ein Leben fernab der ganz großen Bühnen. So liegt Ihnen der Nachwuchs sehr am Herzen, was Sie mit Ihrem Auftritt in Naumburg beweisen. Auch selbst sind Sie als Lehrer tätig. Was ist in Sachen Nachwuchsförderung die besondere Herausforderung?

Müller: Sich für den Nachwuchs einzusetzen, steht denke ich an vorderster Stelle. In vielen Familien wird leider nicht mehr oder nur ganz wenig musiziert. Junge Menschen für Klassik zu interessieren, geht nicht Knall auf Fall, sondern muss eine längerfristige Entwicklung sein. Es ist für mich ein wichtiges Ziel, junge Menschen mit Potential zu fördern.

Wie ist der Kontakt zur Musikschule Wolfhager Land zustande gekommen?

Müller: Über eine gute Bekannte. Ich bin derzeit auf der Suche nach schönen, nicht zu großen Orten, wo man eben einen dieser mittlerweile besonderen Liederabende machen kann. Wir sind ja nur zu zweit auf der Bühne, ohne Bühnenbild, Technik oder Lichtshow. Da gehört für mich eine wohlige Atmosphäre einfach dazu.

Sie werden in Naumburg den Zyklus „Dichterliebe“ von Robert Schumann und die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ von Gustav Mahler singen. Ihre persönlichen Lieblinge?

Müller: Ich bin überhaupt ein sehr großer Fan von klassischem Lied, egal ob Schubert , Schumann, Mahler oder viele andere. Ich finde diese ganz kleine Form am ehrlichsten und es macht mir sehr viel Spaß, bei jeder Probe etwas neues im Inhalt zu entdecken. Es gibt dabei so viele Entwicklungen von Freude und Überschwang über Klarheit und Angst bis hin zu Verlust und Traurigkeit. Da man nicht über einem großen Orchester zu hören sein muss, kann man ganz leise und zurückhaltend Trauer empfinden, aber eben auch leise glücklich sein.

Der Liederabend beginnt am Ostersonntag um 19.30 Uhr im Naumburger Haus des Gastes. Karten-Vorverkauf bei der Musikschule Wolfhager Land und der Buchhandlung Mander in Wolfhagen sowie bei Dekozauber in Naumburg.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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