Ägypten: Ärzte ohne Nachschub von B. Braun

Christian Jäger

Melsungen. Unter den Unruhen in Ägypten leidet auch die medizinische Versorgung in den Krankenhäusern des Nilstaates. „Viele Ärzte gehen aus Angst nicht zum Dienst“, sagt Christian Jäger.

Er ist bei der B. Braun Melsungen AG verantwortlich für den Vertrieb medizintechnischer Produkte in Ägypten. Jäger spricht mehrmals die Woche mit seinen ägyptischen Handelspartnern – wenn die Telefonnetze denn funktionieren.

Zuletzt hat er am Montagabend jemanden in Kairo erreicht. Die Repräsentanten zweier B. Braun-Handelspartner würden derzeit mit ihren Familien möglichst nicht das Haus verlassen, berichtet Jäger. Sie hätten sich mit Lebensmitteln für eine Woche eingedeckt: „Alle hoffen, dass es schnell eine Lösung gibt und dass sich die Unruhen nicht noch wochenlang hinziehen“, erzählt der 30-jährige Konzernmitarbeiter.

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Wegen der Unruhen seien die Büros der B. Braun-Partner bis auf weiteres geschlossen, und so würden auch keine Medizinprodukte an ägyptische Kliniken ausgeliefert – obwohl derzeit besonders viele Verletzte zu versorgen seien. „Die Krankenhäuser müssen mit dem auskommen, was sie haben“, sagt Jäger.

Nach seinen Angaben spiegelt sich in der Lage der ägyptischen Mediziner wider, was die Massenproteste gegen das Regime Mubarak befeuert. „Es gibt dort sehr viele gut ausgebildete Mediziner, von denen viele aber zum Arbeiten in Länder wie Kuwait oder Saudi-Arabien gehen“ – aus Unzufriedenheit über Einkommens- und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten in Ägypten.

Seine Kontaktpersonen, so Christian Jäger, gäben nichts mehr auf einen Fortbestand der Regierung Mubarak. Dies würden sie zwar diplomatisch zum Ausdruck bringen, aber deutlich werde in den Gesprächen: Es sei nicht damit getan, dass die Regierung einzelne Minister austausche.

Noch gut eine Woche zuvor war Jäger selbst für fünf Tage geschäftlich in Kairo gewesen. Rund um sein Hotel in Flughafennähe habe er zu dieser Zeit zwar noch nichts von Unruhen wahrgenommen, doch allgemein sei eine sehr angespannte Stimmung zu spüren gewesen: „Vor ein paar Tagen hätte noch keiner für möglich gehalten, dass die Proteste so eine Durchschlagskraft haben“, sagt der B. Braun-Vertriebsmann.

Alle seine Gesprächspartner hätten geglaubt, die ägyptische Polizei werde öffentliches Aufbegehren schnell unter Kontrolle bringen, sagt Jäger, der sich beruflich jedes Jahr drei- bis viermal in dem Land am Nil aufhält: „Aber allen war auch klar, dass etwas passieren wird.“ Foto:  nh

Quelle: HNA

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