Ärger um Nahverkehr: Gilserberg befürchtet Ausdünnung der Linien

Gilserberg. Hinter den Kulissen der Rathäuser rumort es kräftig in Sachen Nahverkehr. Das war auch bei der Gemeindevertretersitzung in Gilserberg spürbar. Mit dem Scheitern der solidarisch getragenen Nahverkehr Schwalm-Eder GmbH (NSE) wachsen nicht nur in Gilserberg die Sorgen, dass trotz steigender Kosten insbesondere Haltestellen im ländlichen Raum zukünftig weniger angefahren werden könnten.

Der Grund dafür: Jetzt muss der Kreis es richten und nimmt dabei auf Einzelbedürfnisse der Gemeinden nur Rücksicht, wenn sie dafür extra zahlen.

Hintergrund für diese befürchtete Entwicklung ist der Ausstieg einiger Kommunen wie Neukirchen und Neuental aus der gemeinschaftlich finanzierten NSE, die den öffentlichen Nahverkehr im Kreis inzwischen allein organisiert. In wenigen Monaten ist die Liquiditätslücke der Gesellschaft auf 460 000 Euro gewachsen. Kreis will NSE übernehmen.

Weil die NSE nur funktioniert, wenn sich alle Städte und Gemeinden daran beteiligen, hat der Landkreis die Kommunen jetzt aufgefordert, ihre Anteile an der GmbH in die Hände des Kreises zu geben. Damit hätten sie keinen direkten Einfluss mehr auf die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs.

Obwohl dieser Wunsch in Gilserberg kritisch diskutiert wurde, stimmte das Parlament letztlich einstimmig für die Übertragung. „Es ist eine ungünstige Situation, die wir so nicht gewollt haben. Jetzt sehe ich keine Alternative“, sagte Martin Dippel (SPD), Vorsitzender des Haupt-, Finanz- und Bauausschusses.

Michael Stuhlmann (CDU) beklagte noch einmal, dass die Kosten für den Nahverkehr in den vergangenen Jahren um fast 600 Prozent gestiegen seien und mahnte: „Wenn wir zustimmen, sind wir nur noch Zahler. Die Kreisumlage wird dann erhöht und wir haben keinen Einfluss mehr darauf.“ Dass auch seine Fraktion einstimmig für die Abgabe an den Kreis stimmte, erklärte Stuhlmann mit dem Mangel an Alternativen.

Zu der Kostenexplosion war es gekommen, nachdem das Land Hessen seine Zuschüsse gekürzt und eine neue EU-Gesetzgebung kleinere Busunternehmen vom Wettbewerb im Nahverkehr faktisch ausgeschlossen hatte.

Auch Bürgermeister Lothar Vestweber (SPD) war alles andere als erfreut über die Entwicklungen der vergangenen Tage und Wochen: „Im Beirat der Bürgermeister ist deutlich geworden: Jede Kommune denkt nur an sich. Von wegen interkommunale Zusammenarbeit. Ich bin es bald leid.“

Wenn der Kreis zukünftig die Fäden bei der NSE in der Hand hält, wird sich der Kreis das fehlende Geld so oder so von den Gemeinden wiederholen, ist sich Dippel sicher. Für das Parlamentsmitglied bleibt die Wahl zwischen zwei Konsequenzen: „Entweder wir nehmen den Wegfall von Leistungen hin oder wir bezahlen sie extra.“

Quelle: HNA

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