Situation an den Tankstellen

Ärger in der Region: Warum der Spritpreis täglich so stark schwankt

Achterbahnfahrt der Preise: Morgens ist der Sprit meistens um einige Cent teurer als am Abend. Die Preise werden häufig verändert. Foto: Lange-Michael

Schwalm-Eder. Wer es am Abend versäumt hat, seinen leeren Autotank mit Benzin oder Diesel zu füllen, ärgert sich am nächsten Morgen: Dann ist der Sprit nämlich um etliche Cent pro Liter teurer - jeden Tag und an allen Tankstellen der Region gleichmäßig.

„Manchmal sind es zehn Cent und mehr“, hat Edith K. (Name der Redaktion bekannt) aus dem Kreisteil Fritzlar-Homberg festgestellt. Und fragte sich, wie diese Schwankungen von den Mineralölanbietern begründet werden.

„Wir ärgern uns auch über diese Praxis der Preisgestaltung“, sagte auf HNA-Anfrage Eva Raabe von der Verbraucherberatung Nordhessen. Die Verbraucher seien offenbar leidensfähig, denn beschwert habe sich noch niemand.

Es gebe keine offizielle Begründung und auch keine Untersuchung, die die Schwankungen logisch erklären könnten, heißt es in einer Antwort des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der der Verbraucherzentrale Hessen angehört. Pressesprecherin Anja Smetanin vermutet jedoch: „Die Konzerne nehmen jede Gewinnmöglichkeit mit. Sie haben in sehr vielen Preisspiralen ausprobiert, welchen Preis sie wann und wo nehmen können.“

Eine mögliche Erklärung sei, dass morgens der Wirtschaftsverkehr stärker sei, die Kunden es eiliger hätten, die Fahrzeuge mindestens für die anstehende Tagesfahrleistung getankt werden. Dabei seien die Kunden nicht so preissensibel wie am Nachmittag, wenn privat getankt werde.

Den „extremen Preiswettbewerb zwischen den Anbietern“ im deutschen Tankstellenmarkt nennt Aral als Grund für die starken Preisschwankungen. Der sinkende Spritabsatz bei gleichbleibender Zahl der Tankstellen habe zur Verschärfung des Preiswettbewerbs geführt. Ohne die wiederkehrenden Erhöhungen hätte die Branche 2013 nicht wirtschaftlich Kraftstoffe verkaufen können.

Mit der Preisgestaltung für Kraftstoffe haben die Betreiber der freien Tankstellen nach eigener Aussage wenig zu tun. Sie müssen lediglich regelmäßig schauen, was die Konkurrenz macht und deren Preise an die Zentrale weitermelden. So erklärt Stefan Jung, Pressesprecher der Westfalen AG, die tägliche Praxis. „Wir beobachten uns gegenseitig“, sagt er, und Vorreiter seien die Großen wie Shell, Esso und Aral. Nach den Preisen im direkten Umfeld einer Tankstelle werde dann der Preis gesenkt oder angehoben - zentral per Software. Eine Strategie für die täglichen Veränderungen sei ihm nicht bekannt, sagt Jung. Westfalen hat 260 Tankstellen in Deutschland.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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