Käthe und Herbert Bickel empfangen fast jeden zweiten Tag Wanderer in ihrem Haus

Ahle Worscht für Pilger

Gastfreundlich: Käthe und Herbert Bickel kümmern sich immer wieder um Pilgerer (großes Foto). Allmuthshausen ist klein, hat aber viel zu bieten. So etwa eine ganz besondere Kirchentür (Foto oben) sowie eine Grotte unter der Kirche, in die HNA-Redakteurin Maja Yüce klettert. Ortsvorsteher Gerhard Barton vor dem Backhaus, das derzeit saniert wird. Fotos: Yüce/Barton(nh)

Allmuthshausen. Eine Dusche nach einer langen Wanderung, Brot und ahle Worscht zur Stärkung. Bei Käthe und Herbert Bickel in Allmuthshausen sind schon viele Pilger wieder zu neuen Kräften gekommen.

In ihrem Wohnhaus direkt gegenüber der Kirche steht Gastfreundschaft an erster Stelle. Seit fünf Jahren kehren bei ihnen immer wieder Pilger des Elisabeth-Pfades ein. Käthe Bickel öffnet ihnen die Kirche, reicht bei schönem Wetter im eigenen Garten ein kühles Getränk und ermöglicht ihnen den Toilettengang. Bei einer großen Gruppe werde häufig auch schon mal im Flur Schlange gestanden, sagt sie. „Das sind immer sehr nette Leute und sie kommen aus ganz Deutschland. Viele von ihnen aus Berlin“, sagt Käthe Bickel. Nahezu jeden zweiten Tag kommen Pilger nach Allmuthshausen.

„Pilger haben keine Zeit.“

Käthe Bickel

Seit 2007 ist die offene Kirche in Allmuthshausen mit der unterirdischen Grotte eine Anlaufstelle für Pilger, da die Kirche am Elisabethpfad liegt, dem Pilgerweg von Eisenach nach Marburg. Käthe Bickel und ihre Familie wohnen gleich gegenüber der Kirche. Wenn die Wanderer in die Grotte hinabsteigen wollen, dann öffnet Käthe Bickel ihnen auch das Glasdach und weist ihnen den steilen Weg nach unten zum kleinen Brunnen unter der Kirche. „Die Pilger haben keine Zeit“, sagt Käthe Bickel und schüttelt den Kopf. Verstehen kann sie das nicht.

„Käthe und Herbert Bickel haben in den vergangenen Jahren sehr viel für unseren Ort getan“, sagt Ortsvorsteher Gerhard Barton. Und immer wenn im Dorf Geld für etwas benötigt wurde, dann waren die Bickels zur Stelle.

Backen für den guten Zweck

So etwa, als Geld für die Kirchentür aus Glas gesammelt wurde. Da hat Käthe Bickel Stunde um Stunde im Backhaus zugebracht, Brote gebacken und verkauft. Für den guten Zweck. Mit dem Erlös aus verkauften Backhausbroten und -kuchen unterstützte sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern zahlreiche Projekte: Dazu gehört die langjährige Kirchenrestaurierung ebenso wie der Bau der Friedhofshalle in dem Homberger Stadtteil. Mit der Glasmosaik-Flügeltür haben die Allmuthshäuser ihrem Gotteshaus einen ganz individuelles Gesicht gegeben.

Derzeit stehen in Allmuthshausen keine größeren Investitionen für die Dorfgemeinschaft an. Das ist auch gut so, denn das Backhaus wird gerade saniert. Der 76-jährigen Käthe Bickel fällt das Backen zudem immer schwerer. „Das ist viel Arbeit und benötigt viel Zeit“, sagt sie. Einige junge Frauen aus dem Dorf wollen von ihr das Backen lernen. „Es ist wichtig, dass es weiter geht“, sagt Käthe Bickel. Denn wenn in Allmuthshausen mal wieder Geld gebraucht wird, dann muss wieder das Backhaus angeheizt werden.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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