70 Zuhörer kamen zum siebten Bilderschwatz unter freiem Himmel in den Willingshäuser Schlossgarten

Ahnen und ihre Architektur

Gastgeber und Gäste: Dominik von Schwertzell, Paul Kalbfleisch, Uli von Teubern, Prof. Dr. Gerhard-Michael von Reutern sowie Paul Becker und Uli Becker-Dippel (von links). Foto: Rose

Willingshausen. Einen spannenden und informativen Abend erlebten am Mittwoch 70 Gäste im Schlossgarten in Willingshausen: Auf dem Anwesen der Familie von Schwertzell fand der siebte Bilderschwatz statt.

Die Patenschaft hatte diesmal der Heimat- und Verschönerungsverein übernommen und versorgten die Besucher mit einem Imbiss unter freiem Himmel.

Gleich zwei Gäste parlierten diesmal vor schmucker Schlosskulisse: Prof. Dr. Gerhard-Michael von Reutern – sein Ururgroßvater war der Begründer der Malerkolonie Gerhardt von Reutern – und der Zimmermann und Fachwerkexperte Uli von Teubern.

Das Bild „Dorfansicht“, das Reutern um 1820 malte, war Anlass zur munteren Plauderei. Uli Becker-Dippel beleuchtete zunächst, was außerhalb Willingshausen zur Zeit des Klassizismus und der Romantik geschah. Als überaus unruhig galten die Zeiten.

So sei etwa an preußischen Schulen aus politischen Gründen der Sportunterricht verboten worden, die Juli-Revolution bewegte Frankreich. Das Ohmsche Gesetz trat in Kraft, 1828 entstand die erste haltbare Fotografie. Von Reutern erklärte, dass für seinen Vorfahren wohl eher keine Malerkarriere vorgesehen gewesen sei. Vielmehr eine beim Militär: Doch die wurde jäh beendet, als Gerhardt von Reutern in der Schlacht von Leipzig 1813 einen Arm verlor.

Zur Erholung fuhr er nach Willingshausen, zur Familie von Schwertzell, in die sein Bruder eingeheiratet hatte. Immer wieder habe er dann zwischen dem Baltikum – dem Wohnsitz der Familie – und Willingshausen gependelt. Bis er sich schließlich mit einer Tochter der von Schwertzells verlobte. Für ein Jahr habe er mit ihr im Baltikum gelebt: „Dann zog er wegen seiner gesundheitlichen Probleme in den Süden, an den Genfer See und nach Neapel.“

Kontakt zu Maler Grimm

Kontakt habe er regelmäßig mit dem Maler Grimm und mit Goethe in Weimar gepflegt. Der habe ihn auch in seinen Fähigkeiten bestärkt. „An seinem Können hat er stets gezweifelt“, erklärte von Reutern.

Als er einen russischen Dichter kennen lernte, knüpfte er Bande zum russischen Zaren: Und wurde dessen Maler. Das Einkommen war gesichert. Zeit, um sich weiter zu bilden. In Öl. Das habe er an der Düsseldorfer Akademie gelernt, erklärte der Referent. Diese Tatsache erkläre, warum so viele Bilder nach Russland gingen. „Er fühlte sich als Bürger des russischen Reichs.“ Seine große Stärke sei das Abbilden der Natur gewesen, sagte Gerhard-Michael von Reutern. 1865 starb sein Ururgroßvater.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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