Regionalmuseum Wolfhager Land zeigt Album mit deutschen Notgeld-Scheinen

Sollte vor der Inflation schützen: Das Wolfhager Regionalmuseum zeigt dieses Album mit deutschem Notgeld. Die Sammlung wurde von Heide Scholze dem Museum überlassen. Fotos: privat/nh

Wolfhagen. Ein besonders schönes und wertvolles Objekt wurde jetzt dem Regionalmuseum Wolfhager Land übereignet: zwei große und zwei kleine Notgeldalben.

Nach der ersten Durchsicht kann man davon ausgehen, dass über 1500 Notgeldscheine der unterschiedlichsten Art in ihnen aufbewahrt sind. Nach Städten und Gemeinden sorgfältig geordnet, steckte sie Hermann Scholze (verstorben 1982) in die eigens dafür vorgesehenen Alben. Seine Schwiegertochter Heide Scholze hat als Museumsmitglied nach dem Tod ihres Mannes die einzigartige und sehr eindrucksvolle Sammlung dem Regionalmuseum vermacht.

In Deutschland gab es vom Kriegswendejahr 1917 bis 1923 eine Inflation, die dazu führte, dass es immer weniger Münzen gab. Sie wurden gehortet, als man erkannte, dass ihr Metallwert über dem Geldwert lag. Städte, Gemeinden und Betriebe ließen deshalb Notgeldscheine aus Papier als Ersatz für fehlendes Kleingelds drucken und in Umlauf bringen. Ihre Herausgabe erfolgte anlässlich einer besonderen Festlichkeit oder eines Jubiläums. Ihre Gültigkeit war oft nur auf kurze Zeit beschränkt. Mit der Einführung der Rentenmark im Oktober 1923 verschwand das Notgeld und wurde meistens als Altpapier verwertet.

Einzelstücke und Serien

Bereits 1917 erkannte man, dass die Notgeldscheine mit schönen Motiven und künstlerisch gestaltet besser angenommen würden. Hergestellt wurden Einzelstücke, aber häufig auch Serien, oftmals in sehr modern anmutender Comic-Form. Ihr Wert betrug meistens zwischen 20 und 50 Pfennige, selten bis drei Reichsmark. Die unterschiedlichen Motive waren bis ins kleinste Detail sorgfältig und liebevoll gestaltet: Historische Ereignisse, Persönlichkeiten, herausragende Bauten, touristische Sehenswürdigkeiten, Auszüge aus hoher Literatur, aber auch triviale Lebensweisheiten, meistens in Verbindung mit der Gemeinde. Trotz der damaligen Notzeit wurden oft humorvolle Begebenheiten bis hin zu beißender Satire auf schwere Zeit zum Ausdruck gebracht. Häufig dienten die Notgeldscheine der historischen Erinnerung, der politischer Propaganda und der touristischen Werbung.

Dauerhafte Präsentation

Der Druck erfolgte schon damals in der Hoffnung auf die Sammelleidenschaft der Bürger. Hermann Scholze gehörte dabei wohl mit seinen Alben zu den Engagiertesten. Heute ist eine Sammlung wie diese sicher selten zu finden. Das Museum plant deshalb, sie in einer Abteilung, dem Sparkassenmuseum, für alle Besucher dauerhaft zu präsentieren.

Derzeit wird die Abschaffung der kleinen Cent-Münzen in Europa erwogen, weil die Materialkosten den Wert des Geldes übersteigen. Könnte man da nicht die den Deutschen so lieb gewordenen Münzen durch attraktive Notgeldscheine ersetzen? (red) Kontakt: www.regionalmuseum-wolfhager Land.de Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Quelle: HNA

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