Syrische Großfamilie wohnt jetzt in Ex-Gasthaus Kelch – Verein unterstützt Flüchtlinge in Alltagsbelangen

Von Aleppo nach Immichenhain

Unterstützen die Flüchtlinge in Ottrau: Mitglieder des Vereins Miteinander Füreinander, von links Anke Klinke, Manuela Diehl, Ingrid Reich, Ilona Riess und Vorsitzender Heinrich Ploch.

Ottrau. Eigentlich wurde der Verein „Miteinander Füreinander“ vor sechs Jahren gegründet, um Menschen in Ottrau im Alltag zu unterstützen, etwa mit Fahrdiensten oder Einkäufen. Mittlerweile liegt der Fokus der Vereinsarbeit aber zu einem großen Teil auch auf der Hilfe und der Unterstützung von Flüchtlingen, die in der Gemeinde Ottrau leben.

So betreuen die Mitglieder des Vereins aktuell zum Beispiel eine 16-köpfige Großfamilie aus Syrien, die in der zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten ehemaligen Gaststätte Kelch im Ortsteil Immichenhain lebt.

„Als vor einigen Jahren zwei albanische Flüchtlingsfamilien nach Ottrau kamen, bat uns Bürgermeister Norbert Miltz, bei der Integration zu helfen“, erinnert sich der Vorsitzende des Vereins, Heinrich Ploch. So bildete der Verein kurzerhand ein Team, das den Flüchtlingen Deutschunterricht gab.

Seit kurzem hat der Verein in einem Teil des Gasthauses, der nicht zum Wohnbereich gehört, sein Kleider- und Möbelspendelager aufgeschlagen. Die Kleidung sei aber für alle Bedürftigen, nicht nur für Flüchtlinge. „Uns ist es wichtig, alle Menschen in der Gemeinde zu unterstützen, die Hilfe brauchen. Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, sagte Georg Keil, der im Verein für den Ortsteil Immichenhain Ansprechpartner ist.

Familie mit neun Kindern

In der ehemaligen Gaststätte lebt seit Ende Januar die Großfamilie Al Alo aus Syrien. Die 16-köpfige Familie stammt aus der schwer umkämpften Region der syrischen Millionenmetropole Aleppo. Zu der Familie zählen sieben Erwachsene und neun Kinder. Oberhaupt ist die Mutter Gofram Al Alo.

Hoffen auf Zusammenführung

Ein Teil der Familie ist derzeit noch im Motelcenter am Kirchheimer Dreieck untergebracht. Daher hofft die Familie, dass ihre Angehörigen ebenfalls in die ehemalige Gaststätte ziehen können. „Wir haben tatsächlich noch Kapazitäten frei. Daher setzen wir uns für den Wunsch der Familie ein“, sagte Ploch.

Neben der Ausstattung mit Kleiderspenden hilft der Verein der Flüchtlingsfamilie in sämtlichen Alltagsbelangen. So betreuen Vereinsmitglieder zum Beispiel dreimal pro Woche die Kinder der Familie Al Alo, damit die Erwachsenen an der VHS erste Deutschkenntnisse sammeln können. Die Verständigung laufe noch recht schwierig. Die Familie spricht nämlich ausschließlich Arabisch. Ab und an übersetzt ein Flüchtling aus Ottrau zwischen Verein und Familie.

Bislang gut eingelebt

In der ehemaligen Gaststätte in Immichenhain scheint sich die Familie bisher gut eingelebt zu haben. In der Großküche im Erdgeschoss wird zu orientalischer Musik gemeinsam gekocht und gebacken. Der ehemalige Schankraum wird für gemeinsame Aktivitäten genutzt. Vor allem die Kinder nutzen die große Fläche zum Spielen. Die Privaträume der Familie liegen im oberen Teil des Gebäudes.

Insgesamt verfügt das ehemalige Gasthaus über 430 Quadratmeter Fläche, davon etwa 150 Quadratmeter als Wohnraum.

Quelle: HNA

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