Garnelen aus dem Garten

Alexander Hügel baut Produktionsanlage für exotische Speisekrebse

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Noch viel zu tun: Mit dem Bau des Gebäudes, in dem das 14 000 Liter fassende Aufzuchtbecken stehen wird, hat der Altenstädter Andreas Hügel gerade begonnen. In drei Monaten soll der Betrieb anlaufen. 

Altenstädt. Hinter dem Haus von Alexander Hügel stapeln sich die Ziegelsteine. Aber nicht eine Garage oder ein Gartenhäuschen wird hier entstehen, sondern ein Anbau, in dem Hügel Garnelen züchten will.

Die künstliche Aufzucht der von Feinschmeckern geschätzten exotischen Krebstiere ist in Deutschland ausgesprochen selten. In dieser Nische möchte sich der 34-Jährige selbstständig machen. Die Vorbereitungen für das eigene Unternehmen laufen seit gut drei Jahren, sagt der Altenstädter. „Das hat gedauert“, sagt Hügel, „denn die Materie ist so neu, da mussten sich auch die Behörden erst mal informieren.“ Beteiligt waren unter anderem Veterinäramt und Gesundheitsamt. Aber auch Hügel selbst, der gelernte Bäcker, der zwischenzeitlich auch im Bereich Physiotherapie seine Zukunft sah, musste sich zunächst umfangreiches Fachwissen aneignen. Dass er seit seiner Kindheit begeisterter Angler ist, brachte ihn dabei nicht wirklich weiter.

Seine Frau Olivia, Angestellte beim Regierungspräsidium in Kassel, unterstützt ihn bei dem Vorhaben nicht nur, sie machte die diversen Fortbildungen auch gleich mit. Seit 2016, sagt Hügel stolz, seien sie beide zertifiziert und fit für den Betrieb der eigenen Aquakultur.

Inzwischen seien alle Voraussetzungen erfüllt für den Start der eigenen Firma, nun gilt es, die Produktionsstätte auf die Beine zustellen. Die Bodenplatte aus Beton und die 42,5 Zentimeter dicken Wände sollen für eine wirksame Isolierung sorgen, schließlich muss die Temperatur des Salzwassers im gut 14 000 Liter fassenden Aufzuchtbecken konstant bei 28 Grad liegen.

Das Becken aus salzwasserresistentem Duplex-Edelstahl liefert eine Firma aus Homburg im Saarland, die sich auf solche Fisch- und Shrimps-Farmen spezialisiert hat. Und von dieser Firma werde er auch weiter begleitet, sagt Alexander Hügel, bis seine Zucht reibungslos laufe.

Bis zu 23 Zentimeter lang können diese Pacific Shrimps werden: hier ein fünf Zentimeter langes Exemplar aus einer Farm in Schleswig-Holstein.

In gut drei Monaten soll der Betrieb starten, dann bekomme er die ersten Larven der Pacific White Lake Shrimps aus Florida. Gefüttert wird zunächst mit Artemia, kleinen Salzwasserkrebsen, später wird auf Trockenfutter umgestellt. Nach sechs Monaten steht die Ernte an. Die Jahresproduktion werde bei etwa 500 Kilogramm liegen, sagt Hügel. Wenn es gut laufe, sei eine Erweiterung der Produktion denkbar, im Anbau sei Platz für ein weiteres Becken.

Der Energie- und Frischwasserbedarf sei übrigens überschaubar, betont der Jungunternehmer. Dank der guten Isolation sei im beheizten Becken nicht mit wesentlichen Wärmeverlusten zu rechnen. Der Wasserverbrauch sei minimal: „Das ist ein geschlossenes System, das Wasser wird immer wieder aufbereitet und durch einen mikrobiologischen Prozess aufbereitet.“

Der 34-Jährige nennt Vorzüge seiner Produktionsweise: „Die Aufzucht erfolgt nachhaltig, ohne Medikamente, ohne chemische Schadstoffe. Ich habe keinen Beifang, andere Arten werden nicht beeinträchtigt und ich vermeide Überfischung.“

Billig wird seine Ware nicht. Der Preis für ein Kilo Garnelen liege derzeit bei rund 50 Euro. Abnehmer sein Gastronomen und Privatkunden, „alle, die bereit sind, für gute Lebensmittel ein bisschen mehr Geld ausgeben“.

Die Hügels planen, auch einen Online-Shop zu eröffnen. Über den werde man die Ware „ganzjährig frisch vertreiben“. In Plastikboxen gehen die bis zu 35 Gramm schweren Tiere dann auf Trockeneis gepackt per Paketdienst auf die Reise, um innerhalb eines Tages beim Kunden zu sein.

Quelle: HNA

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