Naumburger Kegelclub „Frisch auf“ bangt nach 13 Jahren um seine Stammbahn

Alle Neune sind das Ziel

Bald ohne Bahn? Vorsitzender Werner Potthast ist besorgt, wie es mit dem Club weitergehen soll. Wenn der Wirt die Gaststätte Ende Dezember schließt, stehen die Mitglieder ohne Kegelbahn da. Seit 1998 kegelt der Club in der „Alten Ziegelei“. Fotos: Hempel

Naumburg. Wenn er auch selbst nicht mehr kegelt, weiß er doch, worauf es ankommt. Wie man die Kugel am besten auf den Weg schickt, um alle Neune umzuwerfen. Alle Neune mit einem Versuch. Das ist die Kunst. Seit über 40 Jahren ist Heinrich Bubenhagen Mitglied im Kegelclub „Frisch auf“.

Werner Potthast, Erster Vorsitzender des Clubs, ist seit 1968 dabei. „Beim Kegeln geht es mir vor allem ums Zusammensein“, sagt der 70-Jährige. Er ist zwar kein Gründungsmitglied, trotzdem weiß er, wie es sich damals abgespielt haben soll, im Januar 1959: Nach drei Abenden Probekegeln gründeten sechs Männer den Kegelclub „Gut Holz“, der dann umbenannt wurde in „Frisch auf“. „Damals gab es noch keine automatischen Kegelbahnen.“ Kegeljungs stellten die umgefallenen Kegel von Hand auf. Drei Mark kostete dieser Service pro Abend.

„Zu unseren besten Zeiten waren wir 18 Leute“, erinnert sich Bubenhagen. Das war vor gut 30 Jahren. „Heute sind wir zehn, aber nur noch sechs von uns sind aktiv.“ Auch er selbst könne nicht mehr Kegeln, wegen seines Rheumas, erklärt der 75-Jährige, der früher als Maurer gearbeitet hat. Trotzdem ist er fast jede Woche mit dabei, wenn sich die Truppe mittwochs in der „Alten Ziegelei“ trifft. Die Kegelbahn in der Naumburger Gaststätte ist die vierte, die der Club im Laufe seiner Geschichte bespielt hat. „Früher wollte jeder der Beste sein“, sagt Reinhold Groß, der Zweite Vorsitzende. Und Potthast, der pensionierte Feinmechaniker: „Wenn man ins Rentenalter kommt, wird aber alles etwas weniger.“

Vinzenz Günst denkt noch lange nicht ans Aufhören. Seit 25 Jahren kegelt der 41-Jährige bei „Frisch auf“. „Meine Frau sagt immer, du hast ‘ne Macke“, amüsiert sich Günst. „Für sie ist Kegeln kein richtiger Sport, sondern ein Geselligkeitssport.“ Dabei kämen an einem Abend bis zu 140 Wurf zusammen. „Da bleibt nichts trocken.“

Dirk Tonn ist mit 34 Jahren der jüngste unter den Kegelbrüdern. „Mein Vater hat mich am Anfang mitgenommen.“ Der Vater, Dieter Tonn, ist zum dritten Mal infolge Kegelkönig des Clubs.

Alles andere als optimistisch sind die Männer, was die Zukunft ihres Clubs angeht. „Wir suchen dringend Nachwuchs.“ Das andere Problem: Am 20. Dezember schließt der Wirt der „Alten Ziegelei“ den Betrieb. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. „Ohne Wirt, keine Bahn“, weiß Groß.

Von Claudia Hempel

Quelle: HNA

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