Lorenz Opfer

„Opa Lo“ aus Nenterode feiert am seinen 100. Geburtstag

Dort sitzt er am liebsten: Der morgen 100-jährige Lorenz Opfer aus Nenterode verbringt die meiste Zeit zufrieden in seinem Sessel vor dem Fenster. Foto: Thiery

Nenterode. Er wollte immer 100 Jahre alt werden, Lorenz Opfer aus Nenterode. Am morgigen Sonntag hat er dieses Ziel erreicht.

Ohne nennenswerte Krankheit beginnt der Nenteröder sein zweites Lebensjahrhundert mit vielen Freunden und im Kreise seiner Familie, die ihn seit vielen Jahren liebevoll umsorgt.

Er sitzt ruhig in seinem Sessel, die Augen blitzen flink und aufmerksam umher. Von der Vergangenheit erzählt er nicht viel, er lebt vielmehr in der Gegenwart. Jeden Tag schaut er mittags vom Esszimmer auf die Straße vor dem Haus und wartet auf die Urenkelin, die von der Schule nach Hause kommt und ihm zuwinkt. „Nach den Kindern fragt er immer“, erzählen Brigitte und Manfred Opfer, die sich zusammen mit ihm und einem ihrer Kinder den Hof in Nenterodes Dorfmitte teilen.

Vier-Generationenhaus 

„Wir leben in einem Vier-Generationen Haus, Enkel und Urenkel sind auch dabei.“ Der Rentner hat zwei Söhne, fünf Enkel und fünf Urenkel und er weiß von den meisten, was sie machen, erkundigt sich nach deren Beruf, der Schule oder dem Hobby. „Auch wenn er schlecht sieht und hört, ist der Kopf noch klar“, erzählt Manfred Opfer. Der Tagesablauf hat feste Regeln, von 8.30 bis 9 Uhr ist der Rentner im Wohn- und Esszimmer unterwegs, ein Mittagsschläfchen gibt es nicht. „Höchstens im Sessel nickt er mal ein“, sagen die Opfers. Und der Sessel ist auch sein Lieblingsplatz, dort sitzt er meist und denkt nach. Fernsehen kann er nicht mehr und auch das Radio ist ihm zu hektisch. Er mag es lieber ruhig. Zum Abendbrot gibt es immer ein Bierchen, seit einem Jahr alkoholfrei. Bis vor einigen Jahren war er bei gutem Wetter noch mit dem Rollator vor dem Haus und auf der Straße. Jetzt dreht er seine Runden im großen Esszimmer.

Auch wenn die Kräfte nachlassen, krank ist der 100-Jährige nicht, höchstens etwas altersschwach. „Er hat immer noch einen Blutdruck von 140 zu 70 und nimmt keine Tablette ein“, erzählt der Sohn stolz. Ernsthaft krank sei er nur einmal gewesen: Im Alter von 69 Jahren hatte er eine fünf Zentimeter lange Gräte verschluckt, die sich im Magen verkapselt hatte und eiterte. „Daran wäre er fast gestorben“. Jetzt esse er keinen Fisch mehr.

Ins Heim soll der Opa niemals. Alle kümmern sich. „Wenn wir in den Urlaub fahren, sind die Enkel für ihn da.“ Opfer lebte schon immer in Nenterode, war Landwirt und später im Straßenbau beschäftigt gewesen. Den Krieg erlebte er auch, war in Russland, auf der Insel Krim und in Kiew. Gefangen wurde er dabei nicht. „Ich habe mich immer im Graben versteckt“, erzählt er und lächelt verschmitzt. Mit seiner Frau Hildegard unternahm er gern Reisen innerhalb Deutschlands. Messingbildchen von Berchtesgaden, Sylt und dem Kleinen Walsertal zieren den Wanderstock, den er fest in der Hand hält. Nach dem die Ehefrau mit 71 Jahren verstarb, verreiste er nicht mehr.

Die Opfers erwarten zum morgigen Fest viele Menschen aus dem Dorf, die gratulieren wollen und natürlich die große Verwandtschaft.

Quelle: HNA

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