„Alle wussten Bescheid“

Staatsanwalt beantragt hohe Haftstrafen im Brandstifter-Prozess

Wabern/Kassel. Hohe Freiheitsstrafen hat die Staatsanwaltschaft am Freitag im Waberner Brandstifter-Prozess gefordert. Für den 24-jährigen Hauptangeklagten beantragte Oberstaatsanwalt Wolfgang Göb vor dem Landgericht Kassel fünf Jahre wegen Brandstiftung.

Für dessen Bruder (33) beantragte er vier Jahre und sechs Monate, für dessen Frau (30) ein Jahr und acht Monate.

Lesen Sie auch

Nach Feuer in Wabern: Polizei geht von Brandstiftung aus

Das Ehepaar soll laut Staatsanwaltschaft wegen versuchten Betrugs und Nichtanzeigen einer schweren Straftat verurteilt werden. Nur bei der Frau soll die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden, auch im Interesse ihrer Kinder.

Zunächst war das Ehepaar auch wegen Anstiftung zur schweren Brandstiftung angeklagt. Diese Anstiftung aber sei nicht bewiesen, sagte Göb. Dennoch hätten sich beide strafbar gemacht, weil sie gewusst hätten, dass der 24-Jährige den Brand legen werde, sie hätten dies aber nicht verhindert.

„Das ist eine kriminelle Tat allerersten Ranges”, sagte Göb während seines Plädoyers. Das Feuer hatte am 5. Juli vorigen Jahres das Wohn- und Geschäftshaus Landgrafenstraße 4 in Wabern zerstört. Die angeklagten Eheleute waren damals Nutzer.

Kurz vor dem Brand hatten sie für das Gebäude, das man per Mietkauf erwerben wollte, ein Versicherungspaket abgeschlossen. Danach hätte ihnen laut Staatsanwaltschaft bereits vor Eigentumsübergang im Versicherungsfall bei Totalverlust und einem erforderlich werdenden Neubau maximal 850 000 Euro ausbezahlt werden können.

Er sei überzeugt davon, dass sich das Ehepaar „in den Genuss von Versicherungsleistungen bringen wollte”, betonte der Oberstaatsanwalt, „das Brandereignis war in den Köpfen der Angeklagten schon da”. Der sechs Mal vorbestrafte 24-Jährige sei von sich aus bereit gewesen, den Brand zu legen, es hätten aber alle Bescheid gewusst. Er habe neun Zuckerstreuer mit einem Benzingemisch präpariert und gezündet. Das Feuer habe sich explosionsartig ausgebreitet. „Ob er es allein gemacht hat, steht dahin”, sagte Göb. Als er die Brandsätze gezündet habe, sei er sicher gewesen, dass alle Mitbewohner das Haus bereits verlassen hatten. Das angeklagte Ehepaar befand sich in der Brandnacht nicht in Wabern.

Feuerwehreinsatz in Wabern - Dachstuhl brannte

Alle Spuren führten nach den Worten des Oberstaatsanwaltes zu dem 24-Jährigen. Dessen Lebensgefährtin habe später während eines Streits am Telefon gesagt, sie werde erzählen, dass er das Haus angezündet habe. Der 24-Jährige war am 17. September 2014 festgenommen worden. Wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr wurde Haftbefehl erlassen.

Von einer kriminellen Karriere sprach der Oberstaatsanwalt bei dem 33-jährigen Bruder, der in dem Haus den Grill betrieb. Er ist bereits sieben Mal vorbestraft. Die drei Anwälte der Angeklagten werden am Montag plädieren.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion