Alleinerziehende sucht Ferienbetreuung: Kita lehnt behindertes Kind zunächst ab

Eva W. mit ihrem Sohn

Schwalmstadt. Weil in den Ferien zu wenig Personal eingeplant war, lehnte eine Kita in Schwalmstadt ein behindertes Kind zunächst ab. Obwohl sie nach Auskunft des Jugendamtes einen Rechtsanspruch auf einen Platz hat, sollte sich die Mutter privat eine Tagesmutter suchen.

Erst als die alleinerziehende und berufstätige Frau Druck machte, bot man ihr eine Betreuung für ihren dreijährigen Sohn an. Bürgermeister Wilhelm Kröll sieht die Verantwortung bei den Kita-Leitungen: „Das darf nicht mehr passieren.“

Hintergrund:

Im Sozialgesetzbuch VIII, das die Kinder- und Jugendhilfe regelt, heißt es in Paragraph 22a: Das Leistungsangebot der Kindergärten, Horte und anderer Einrichtungen „soll sich pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientieren. Werden Einrichtungen in den Ferienzeiten geschlossen, so hat der Träger der öffentlichen Jugendhilfe für die Kinder, die nicht vom Erziehungsberechtigten betreut werden können, eine anderweitige Betreuungsmöglichkeit sicherzustellen.“ Damit begründet sich für Eva W. ein klarer Rechtsanspruch auf eine Betreuung, die ihr zunächst von der städtischen Kita verweigert werden sollte.

Nachdem sie für die Pflege ihres Sohnes vor drei Jahren ihren Job aufgegeben hatte, trat Eva W. aus Mengsberg im Mai eine neue Stelle an. Weil die Hephata-Kita, die ihr Sohn Lucas besucht, Mitte Juli für drei Wochen geschlossen hat, suchte sie nach einem Ersatz. Für die Vertretung ist die städtische Kita Zwergenschatz in Schwalmstadt zuständig. Dort wollte sie ihr Kind anmelden. Als sie dies rechtzeitig drei Wochen vor Ferienbeginn tat, folgte die Absage.

Eva W. gab nicht auf. Sie schilderte ihre Lage bei der Stadt und bei der Kita-Leitung. Weil sie noch in der Probezeit ist und noch keine drei Wochen Urlaubsanspruch hat, brauchte sie auf jeden Fall Hilfe bei der Betreuung. Weil qualifiziertes Personal in den Ferien fehle, könne ihr Sohn nicht betreut werden, lautete einmal mehr die Antwort. Nach Informationen der HNA ging zudem eine E-Mail an alle Kitas in Schwalmstadt, in der mitgeteilt wurde, dass im Zwergenschatz in den Ferien keine behinderten Kinder mehr aufgenommen werden.

Schließlich schalteten sich Hephata und das Jugendamt des Landkreises ein. „Es gibt einen klaren Anspruch auf Ferienbetreuung. Die Stadt ist da nicht günstig eingerichtet. Eltern mit behinderten Kindern sollten keine weiteren Belastungen zugemutet werden“, sagt Jugendamtsleiterin Karin Wagner. Weil Hephata eine Zusatzkraft stellt, kann Lucas nun doch aufgenommen werden.

Quelle: HNA

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