Alles ruhig

Reportage: Erste Eindrücke nach Ankunft der Flüchtlinge am Chinapark

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Im Chinapark: 193 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, sind in der Nacht zum Dienstag in vier Bussen in Ziegenhain angekommen. Heute werden weitere 200 Flüchtlinge erwartet. Diese Gruppe wollte weiter in Richtung Schweden.

Ziegenhain. Die ersten Asylbewerber sind in der Nacht zum Dienstag in der Notunterkunft in Ziegenhain angekommen, am Mittwoch werden weitere 200 Flüchtlinge erwartet. Wir machten uns ein Bild.

Ruhig erscheint es am Dienstagvormittag um den Chinapark in Ziegenhain, nur wenige Menschen bewegen sich um das Areal. 193 Flüchtlinge, darunter 53 Kinder und 55 Frauen, sind in der Nacht zum Dienstag mit vier Bussen in der Notunterkunft angekommen.

Alles friedlich, versichert der Inhaber der benachbarten Imbissbude. Gesehen habe er bisher noch nicht viel. Fünf Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes bewachen das rote Tor in der Junker-Hoose-Straße. Betreten werden darf das ehemalige Flohmarkt- und Vergnügungsgelände nicht. So etwas wie Ankunftsroutine scheint Einzug zu halten. Sichtbar ist, dass Behörden aktiv sind: Kurz nachdem der Zoll mit drei Fahrzeugen - die Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts wurden kontrolliert - das Gelände verlassen hat, fährt ein Streifenwagen der Polizei durch das rote Tor, gefolgt von einem Krankenwagen. „Nichts passiert“, beruhigt der Sicherheitsdienstmitarbeiter, „alles ganz normal“. Drei junge Männer diskutieren mit ihm. Sie leben bereits in einer Flüchtlingsunterkunft in Ziegenhain, wollen in die Hallen, die einst als Landmaschinenfabrik dienten und in den vergangenen Tagen von Ehrenamtlichen für die Flüchtlinge vorbereitet wurden.

Die jungen Männer, sie sprechen Deutsch, möchten Landsleute finden und schauen, ob sie helfen können. Die Securitiy-Mitarbeiter winken sie durch.

Abgetrennte Bereiche: In den vergangenen Wochen richteten Ehrenamtliche den Chinapark ein. Foto: privat/nh

Währenddessen kommt eine Gruppe aus dem Chinapark. 15 Menschen, schwer bepackt mit Rucksäcken, Koffern und Reisetaschen. „Meine Familie will weiter nach Schweden, dort haben wir Verwandte“, erklärt eine Frau auf Englisch. Ihren linken Arm trägt sie in einer Schlinge. Gebrochen sei der Arm, sagt sie. 15 Tage ist die Familie bereits unterwegs, von Syrien, über die Türkei, das Meer nach Deutschland. Jetzt geht es weiter zum Bahnhof nach Treysa. Lebhaft wird mit der Taxifahrerin diskutiert. Es passen nicht alle in das Großraumfahrzeug, macht sie klar, die Kinder auf den Schoß nehmen, gehe schon gar nicht. Ein weiteres Taxi kommt. Die Familie reist ab in Richtung Schweden - nach einer kurzen Nacht im Chinapark.

Ein circa vierjähriges Mädchen beobachtet die Szene. Sie kommt an der Hand des Vaters aus dem Tor. Dem Mann scheinen die Turnschuhe nicht richtig zu passen, er trägt sie wie Latschen. Einen Supermarkt suche er, macht er klar. Mit einem Blick auf die Straßenkarte auf dem Smartphone wird ihm der Weg in Richtung Innenstadt gezeigt. Auf das „Herzliche Willkommen“ der Reporterin reicht das zierliche Mädchen seine kleine kalte Hand und sagt „Danke“.

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Quelle: HNA

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