Zu Gast in der Schwalm

Begine Brita Lieb sprach in der Hospitalkapelle in Treysa

Referierte im Hospital: Brita Lieb klärte über die Beginen-Bewegung auf. Foto: Rose

Treysa. Mit beiden Beinen auf der Erde und mit einer Hand im Himel – unter diesem Motto stand ein Vortrag der Begine Brita Lieb, die in der Hospitalkapelle in Treysa sprach.

Organisiert worden war die Veranstaltung vom Evangelischen Forum in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Franz von Roques und dem Verein „Gemeinsam ins Alter Schwalmstadt“. Lieb referierte über die „Beginen“, über gemeinsames Leben von Frauen seit 900 Jahren, über die christliche Tradition und den neuen Beginenhof in Bochum.

Als Beginen wurden ab dem 12. Jahrhundert in den Niederlanden, später in Deutschland, Frankreich, Oberitalien und der Schweiz die Angehörigen einer Gemeinschaft christlich andächtigen Lebens ohne Klostergelübde bezeichnet. Im 13. Jahrhundert gab es in Köln mit 171 Konventen die größte Dichte. „13 historische Höfe in Flandern gehören heute zum Weltkulturerbe“, erklärte Lieb.

Gegenwärtiges Phänomen

Pfarrer Dierk Glitzenhirn sagte: „Behnen sind ein geschichtliches, aber auch gegenwärtiges Phänomen.“ Brita Lieb entschied sich vor 15 Jahren, Begine zu werden: „Ich war alleinerziehend mit drei Kindern, suchte die Gemeinschaft und entdeckte, dass ich all die christlichen Werte ja sowieso schon lebe.“ Damals wie heute lebten Frauen auf Beginenhöfen zusammen – in einer Gemeinschaft mit allen Generationen.

„In den vergangenen zehn Jahren konnte ich für 300 Frauen plus Kinder Wohnraum schaffen“, erläuterte die Vorsitzende des Vereins Beginen Heute.

Der größte Beginenhof in Deutschland beherberge 85 Frauen. Dabei orientiere man sich an historischen Höfen: „15 Giebel mit Kirche und Dorfplatz.“ Elisabeth von Thüringen sei auch eine Begine gewesen. „Im Mittelalter gab es noch keine Trennung zwischen Alltag und Glauben“, erklärte Lieb.

Von der Hände Arbeit

Beginen gaben zwar gegenüber ihrem Bischof ein Versprechen – jedoch kein Armutsversprechen – ab. Sie lebten von ihrer Arbeit und von Stiftungen: „Beginen mussten nachweisen, dass sie sich drei Jahre von ihrer Hände Arbeit ernähren konnten.“ Ein Beginenmantel machte sie sichtbar und eigenständig rechtsfähig. „Sie behielten ihr Geld, durften reisen, bildeten Leistungsteams, standen für Konsensentscheidungen und ganzheitliches Heilen“, erläuterte Lieb. Alle Häuser seien von Frauen für Frauen gebaut worden. „Junge Frauen gaben das Leben weiter, ältere Frauen die Weisheit“, erklärte die Begine einen ihrer Grundsätze.

Heute handele es sich um eine Lebensform, die eine sich immer mehr auflösende Familienstruktur der Großfamilie ersetze. „Angestrebt wird eine Lebensgemeinschaft, in der einerseits viele kleine Wohnungen ein Privatleben garantieren, andererseits jede jeder verantwortungsvoll zur Seite steht“, sagte Brita Lieb.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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