Jubiläum bei den Stadtgeschichtlern: Spannende Einblicke in das Leben von einst

Alt-Treysa auf der Fährte

Auf Spurensuche: Die Vereinsmitglieder Helmut Brauroth, Uwe Reiter und Uwe Schmidt führten Besucher Eckhard John (von links) durch die Jubiläums-Ausstellung im Hospital. Fotos: Rose

Treysa. Tief tauchten die Gäste des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises am Wochenende in die faszinierende und spannende Geschichte ein. Der Verein feierte im Hospital mit einen Festakt und einem Tag der offenen Tür 25-jähriges Bestehen.

Viele Besucher lernten am Sonntag die Räume des Arbeitskreises kennen, stöberten in Archiven und schauten sich einen Querschnitt aus insgesamt 18 Ausstellungen an. Lebendig wurde die Geschichte in Gesprächen mit den Mitgliedern.

Vorsitzender Bernd Raubert erläuterte Details zum Projekt Unterirdisches Treysa. Da viele Gebäude in der Altstadt nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufgebaut werden mussten, gebe es weit mehr und ältere Bausubstanz unter der Erde, die es zu dokumentieren gelte. „Wir wissen derzeit von vier Geheimgängen in der Oberstadt“, sagt Raubert. Einer verfüge zum Beispiel über ein perfekt ausgeklügeltes Abwassersystem, das bis heute funktionsfähig sei.

Keramik und Ziegelsteine

Aus einem Abwasserkanal stammen auch markante Fundstücke, die zur Sammlung des Arbeitskreises gehören. „Experten schätzen, dass die älteste Keramik – ein Krug – etwa aus dem Jahr 1249 stammt“, verdeutlicht der Vorsitzende. Neben Keramik seien in der Oberstadt auch Tonpfeifenfragmente sowie handgefertigte Ziegelsteine gefunden worden, woraus sich schließen lasse, dass es eine Ziegelhütte gab. Viel ehrenamtliche Fleißarbeit steckt in den Archiven, die die Mitglieder angelegt haben und auch pflegen. „Das älteste Buch der Sammlung stammt aus dem Jahre 1806 und erzählt die Geschichte Treysas“, erläutert Archivar Günter Schmidt.

Doch nicht ausschließlich Bücher, auch Bilddokumente sind wichtige Zeugen der Stadtgeschichte. Ein Porträtfoto zeigt Daniel Heinrich Stephan, der wohl als einer der längsten im Amt weilenden Bürgermeister gelten dürfte. „Er war von 1835 bis 1881 Bürgemeister in Treysa“, erläutert Schmidt.

Als Rarität schätzt Bernd Raubert auch ein Notenblatt ein, das als Einband für Stadtrechnungen diente und wohl aus dem Dominikanerkloster – der heutigen Stadtkirche – stammt. Das Blatt ist datiert auf das Jahr 1651, darauf zu lesen sind Noten eines gregorianischen Chorals. Obwohl die Dominikaner Teil eines Bettelordens waren, besaß das Kloster ein beträchtliches Vermögen. „Auch die Stadt lieh sich öfter Kapital vom Konvent“, sagt Raubert.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare