Altar und Kanzel in der Sander Kirche mit der Kettensäge geformt

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Neue Formen: Pfarrerin Dr. Gisela Natt lehnt am noch verpackten Altar, im Vordergrund die Kanzel.

Bad Emstal. Holz an Stelle von Beton, Linien, die mit der Kettensäge gezogen wurden statt klarer Kante: Der neue Altar und die neue Kanzel der evangelischen Kirche im Bad Emstaler Ortsteil Sand, die am morgigen Sonntag eingeweiht werden, unterscheiden sich in jeder Hinsicht von ihren ausgemusterten Vorgängern.

Ein wuchtiges, in Folie eingeschlagenes Paket steht auf einer Europalette im Chorraum, kaum zu erahnen, dass es in Kürze einen zentralen Platz in der Sander Dorfkirche einnehmen wird. Der neue Altar, herausgeschnitten aus einem großen Pappel-Stamm vom Holzkünstler Armin Göhringer, wird künftig die Blicke im sonst so nüchtern gestalteten Gotteshaus auf sich ziehen. Ähnlich wie die Kanzel, ebenfalls von Göhringer mit der Kettensäge aus einem Stück Pappel-Holz gefräst. Sie ist bereits ausgepackt, wartet noch auf einen örtlichen Schreiner, der das Mikrofon installieren soll. Pfarrerin Dr. Gisela Natt steht neben den beiden sogenannten Prinzipalstücken, die im Zuge der Neugestaltung des Kirchenraums in Auftrag gegeben wurden.

Sie lässt keinen Zweifel, dass ihr die beiden Stücke aus gewachsenem Material, das sich so deutlich von den sonst im Kirchenraum vorherrschenden kühlen Materialien Stein, Glas und Metall abhebt, gefallen. Ob es den Besuchern des Weihegottesdienstes am Sonntag genauso gehen wird? Wie werden sie die Kanzel annehmen? Zwei schwere Blöcke, verbunden durch zerbrechlich wirkende, leicht gebeugte Stützen.

Und der Altar: Seit gut drei Wochen steht er bereits in der Kirche, verborgen hinter schützender Folie. Zeit genug, um neugierig zu machen. Wie werden die Gemeindeglieder urteilen, wenn sie den geweißten Block mit seinem durchlässigen, fragilen Kern zum ersten Mal unverhüllt sehen?

Im Zuge der Erneuerung und Umgestaltung des Kirchenraums, der bereits im vergangenen Jahr eingeweiht wurde, mussten sich die Sander Kirchgänger bereits an Veränderungen gewöhnen. Es wurde Raum geschaffen. Früher fanden einmal 400 Menschen einen Platz, heute gibt es noch für 160 Gläubige Sitzgelegenheiten. Die seitlichen Emporen sind verschwunden. Die Kirche, Baujahr 1910, wirkt nun innen größer, heller, freier.

Damit die gewonnene Fläche verschiedenen Anlässen entsprechend angepasst werden kann, werden Altar, Kanzel und der Taufstein aus dem Jahr 1563 künftig auf fahrbaren Untersätzen stehen. Auch zusätzliche Bestuhlung, sagt die Pfarrerin, ist bei Bedarf möglich.

Der Kirchenraum wurde heutigen Bedürfnissen angepasst, gewinnt auch durch die Spannung aus Nüchternheit und der Lebendigkeit, die die von Künstlerhand geformte Kanzel und der Altar in die Kirche bringen. Das alles hat seinen Preis. Aber den will Pfarrerin Natt nicht verraten.

Quelle: HNA

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