Alte Gebäude inspirieren sie

Appenhain: Anette Zinser ist neue Schulleiterin in Wohra

Lehrerin aus Leidenschaft: Anette Zinser, die seit vielen Jahren in der Oberen Gecksmühle in Appenhain lebt.
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Lehrerin aus Leidenschaft: Anette Zinser, die seit vielen Jahren in der Oberen Gecksmühle in Appenhain lebt.

Mitten in der Corona-Pandemie übernahm die Appenhainerin Anette Zinser die Leitung einer Grundschule .

Appenhain/Mengsberg. Wer durch den Mühlengrund von Appenhain nach Mengsberg wandert, passiert zwangsläufig das von saftigem Grün umgebene Fachwerkhaus. Die Obere Gecksmühle ist eine von drei ehemaligen Mühlen im Wiesengrund und die einzige, die noch ein Mühlrad besitzt. Hier ist das Zuhause von Anette Zinser und ihrer Familie – und gerade in Corona-Zeiten ein Ort der Inspiration, sagt die langjährige Mengsberger Lehrerin.

Vom Mühlengrund ist es nicht weit bis Mengsberger Grundschule, wo Anette Zinser über zwei Jahrzehnte Kindern lesen und schreiben beibrachte – und noch vieles mehr. So wie die Obere Gecksmühle für die 55-Jährige nicht nur ein Ort des Wohnens, sondern des Lebens ist, so bedeutete Schule für sie schon immer mehr als Unterricht im Klassenzimmer.

Anette Zinser hat sich auch in ihrer Freizeit für die Schule und die Schüler engagiert - 13 Jahre lang leitete sie Freitag nachmittags ein Tanztraining, das auch bei vielen Kinder aus der Großgemeinde Gilserberg beliebt war.

Den Stopp-Tanz und andere Übungen aus dem Sport machte Anette Zinser auch zum festen Bestandteil des täglichen Online-Unterrichts in den vergangenen Wochen an der Grundschule Wohra. Dort ist Anette Zinser, die selbst in Gladenbach zur Schule ging, aber schon von Kindheit an in den Ferien und an den Wochenenden Kontakt zur Familie Wilkens in Appenhain hatte - den Vorbesitzern der Oberen Gecksmühle – seit Anfang August Schulleiterin.

Beruflicher Wechsel fiel der Lehrerin leicht

„Die Schule in Wohra ist so ein bisschen wie dieses Haus“, sagt Anette Zinser, auf dem Freisitz des Fachwerkhauses stehend, unter ihr das alte Mühlenrad.

Doch ganz so alt wie die Appenhainer Mühle, rund 400 Jahre, ist das Schulhaus in Wohra mit seiner 100-jährigen Geschichte nicht. Anette Zinsers Wechsel nach Marburg-Biedenkopf fiel mitten in die Corona-Pandemie. Lockdown, Quarantäne, Distanz- und Wechselunterricht – all dies gab es in den vergangenen Monaten. „Da war Einfallsreichtum gefragt“, sagt die 55-Jährige, die während und nach ihrer Zeit als Lehrerin in Mengsberg an der Universität Kassel in der Ausbildung der Lehramtsstudenten tätig war.

In Wohra werde mit flexiblen und jahrgangsübergreifenden Klassen schon immer darauf gesetzt, dass alle Schüler von- und miteinander lernen – sogenanntes „peer-learning“, sagt Anette Zinser. Ein Prinzip, dass sie aus der Hirnforschung kenne und dass sie auch als pädagogische Beraterin für Neurowisschenschaften und Lernen in Vorträgen an Schulen und Kindergärten in der Region propagiere. „Deshalb passt die Schule zu mir“, sagt Anette Zinser, für die selbst lebenslanges Lernen zum Prinzip geworden ist.

So sei ihr trotz der Pandemie der berufliche Wechsel nicht schwer gefallen. Es sei eine Herausforderung, neue Unterrichtsmodelle zu entwickeln und sie immer wieder anzupassen, so die Schulleiterin, selbst Mutter von drei Kindern. Dies sei anstrengend, komme ihr jedoch entgegen, so die Appenhainerin: „Ich beschäftige mich gern mit neuen Dingen.“ Und die Inspiration dafür komme ihr oft zu Hause, in der alten Mühle. (Kerstin Diehl)

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