Ausstellung bald in der Kreissparkasse

Alte Kunst im heutigen Ziegenhainer Gefängnis: Wandgemälde wiederentdeckt

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Alte Kunst an dem Ort, wo sie früher die Wände zierte: Hans Merle, Vorsitzender des Schwälmer Geschichtsvereins, mit der aktuellen Ausstellung im Rittersaal des Schlosses Ziegenhain. 

Ziegenhain. Während der Recherche zur Historie des Ziegenhainer Strafvollzugs ist der Schwälmer Geschichtsverein auf alte Wandgemälde gestoßen, die bald in einer Ausstellung zu sehen sind. 

An den Wänden im Rittersaal des Ziegenhainer Schlosses waren früher prächtige Malereien zu sehen, doch seitdem wurden sie mehrfach gestrichen und die Kunst ging fast verloren. Wiederentdeckt wurde sie vom Schwälmer Geschichtsverein, als die Mitglieder unter der Leitung des Vorsitzenden Hans Merle begannen, sich mit der Historie des heutigen Gefängnisses zu beschäftigen.

Während ihrer Recherche stießen sie auch auf Quellen zu den früheren Wandverzierungen. Daraus entstand nun eine Ausstellung. Erstmals zu sehen war sie für die Mitarbeiter des Gefängnisses und geladene Gäste bei der Präsentation des Buches "Das alte Schloss zu Ziegenhain – Gefängnis /Stockhaus 1040 bis 1840", in dem weitere Erkenntnisse der Forschung festgehalten sind. Nachdem die Bilder eine kurze Zeit im Rittersaal zu sehen waren, dort, wo sie früher die Wände schmückten, zieht die Ausstellung bald um in die Kreissparkasse in Ziegenhain. Eröffnet wird sie dort am Mittwoch, 14. Februar, letzter Ausstellungstag ist am Freitag, 9. März.

Gemalt wurden die Bilder um 1542, das ist bekannt. Nicht genau bekannt ist jedoch der Künstler. Weil zu dieser Zeit Michel Müller der Hofmaler war, ein Schüler von Lukas Cranach der Ältere, ist davon auszugehen, dass er der Urheber ist. Der nachfolgende Hofmaler, Wilhelm Kirchhof, hat im Jahr 1616 schließlich 18 der 24 Bilder kopiert und in einem Quartbuch erfasst.

Sie sind im Stil der Glasmalerei, Grau- und Ockertöne bestimmen die Optik. Zu sehen sind verschiedene Personen, die zu ihrer Zeit bekannt waren und viel Einfluss hatten, auch lokale hessische Berühmtheiten sind dabei. Die Bandbreite reicht von Johannes dem Täufer und Jesus mit dem Hauptmann zu Kapernaum über Helden wie Herkules und Achilles bis zu den Landgrafen Philipp der Großmütige und Landgraf Wilhelm IV von Hessen im zehnten Lebensjahr, aber auch ein nicht näher bezeichneter langbärtiger Fürst ist dabei. Besucher, die ein bisschen Zeit mitbringen, können versuchen, die verschnörkelte Schrift neben einigen Bildern zu entziffern und erfahren so mehr über die abgebildeten Personen.

Der Leiter der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt, Jörg Bachmann, sagt, dass er in seinem Beruf ständig mit aktuellen Änderungen umgehen muss und deshalb sehr im Hier und Jetzt lebt, trotz der langen Geschichte seines Arbeitsortes. "Ich schaue selten zurück. Das, was Herr Merle und seine Kollegen aus dem Verein herausgefunden und aufgeschrieben haben, habe ich nie so stark im Blick gehabt." Doch zukünftig wird er vielleicht die Bilder von Michel Müller vor Augen haben, wenn er durch den Rittersaal geht.

Quelle: HNA

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