Künstlerin Anja Köhne stellt in der Galerie Holzburg experimentelle Fotografien aus

Alte Zöpfe, neuer Blick

Tand: So heißt die Ausstellung der Kasseler Künstlerin Anja Köhne, die noch bis Mitte Juli in der Galerie Holzburg zu sehen ist. Foto: Rose

Holzburg. Wenn man sprichwörtlich alte Zöpfe abschneidet, dann trennt man sich sich von Gewohntem, bewegt sich auf neuen Wegen: Die ältere Dame, der der Zopf auf Anja Köhnes Fotografie gehört, hat sich jedoch bewusst nie von ihrem abgeschnittenen Zopf getrennt. Seit 50 Jahren bewahrt die Schweizerin das Haarteil in einer Schatulle auf. Gefunden wurde die Besitzerin von Anja Köhne in Willisau in der Schweiz.

Die Kasseler Künstlerin hat dort ein Stipendium absolviert: Jetzt zeigt sie ihre Arbeiten – experimentelle Fotografien – in der Galerie in Holzburg. Am Sonntag war Ausstellungseröffnung.

„Ich habe mir die Aufgabe gestellt, Menschen zu finden, die mir Gegenstände zeigen oder benennen, die ihnen wichtig sind“, erläutert die Künstlerin. Regionaltypisches, aber eben auch Persönliches hat sich durch den Sucher ihre Kamera in Szene gesetzt. „Wichtig war mir, die Gegenstände nicht zu kategorisieren oder zu bewerten“, sagt Köhne.

Beschäftigt habe sie sich zudem mit der Frage, ob das, was ideell wichtig sei, überhaupt mit der Kamera einzufangen und abzubilden sei, was Fotografie leisten könne. „Oder ist der Gegenstand als Bild nur ein Abbild?“, fragt die Künstlerin die Betrachter. Eingeflossen sei in die Fotos auch die eigene Auseinandersetzung mit dem Ort. Zu sehen in Abbildungen der eigenen Hände: „Sie symbolisieren meine Suche. Wobei ich gemerkt habe, dass mir Dinge weniger wichtig sind. Dafür umso mehr Emotionen oder die Familie“, verdeutlicht Anja Köhne.

Dr. Anton Merk, Leiter der Galerie, wies die Gäste auf den Gegensatz von Hell und Dunkel in den Fotos hin. „Dadurch entsteht eine neue Form, ein Dialog, eine neue Realität.“ Die Abbildungen der Hände charakterisierte der Kunsthistoriker als „ein Ringen um Materialität“. Köhnes Fotos sollen motivieren.

In der ehemaligen Sommerküche der Galerie hat die Künstlerin ein kleines Museum in Form einer Kiste konzipiert. „Für die Dinge, die nicht vergessen werden wollen“, sagt sie. Denn Anja Köhne löse nichts auf, erklärt Merk: „Sie gibt Denkanstöße, quasi eine Art Gedankenkitzler.“ Und so waren und sind die Gäste der Ausstellung eingeladen, am „aktiven Aneignen von Gegenständen“ mitzuwirken. Auf Karten können sie ihre Gedanken, Wünsche, wichtigen Gegenstände festhalten. Das Museum soll bis Mitte Juli mithilfe der Besucher wachsen. „In der Hoffnung, dass ihre Auseinandersetzung mich und Sie alle voran trägt“, erklärte Anja Köhne.

Sandra Rose

Quelle: HNA

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