Zugtest an Bäumen liefert positives Ergebnis

Die alten Eichen am Hellen Platz dürfen bleiben

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Das erste Ergebnis ist für beide Eichen positiv: David Hugk wertet den Test am Laptop aus.

Wolfhagen. Die alten Eichen am Hellen Platz im Wolfhager Stadtwald dürfen sehr wahrscheinlich stehen bleiben und müssen nicht gefällt werden. Das ist das erste Ergebnis eines Zugtests, den Anfang der Woche Sven Hugk aus Zierenberg vorgenommen hat. Er ist Experte für Baumpflege und Baumsanierung.

Gekappte und teilweise angefaulte Wurzeln hatten den zuständigen Förster Friedrich Vollbracht in Alarmbereitschaft versetzt. Schließlich habe der eine Verkehrssicherungspflicht, und am Parkplatz am Hellen Platz herrsche viel Betrieb. Herabfallende Äste und eine ungenügende Standsicherheit der Laubbäume stellten an diesem stark frequentierten Ort eine Gefahr da.

Mittels Schalltomografie, bei der mehrere Sensoren an den Stämmen der vier 236 Jahre alten Eichen verteilt worden waren, waren tatsächlich an zwei Bäumen massive Schäden entdeckt worden. Im unteren Bereich des Stammes sind die Bäume faul. Das Ergebnis zwang Vollbracht zum Handeln. „Die Bäume hätten entweder gefällt werden oder aber noch intensiver untersucht werden müssen“, sagt der Förster. Der Magistrat der Stadt habe Herz für die Eichen gezeigt und einem Zugtest zugestimmt.

Dafür legte Sven Hugk nun in etwa sechs Metern Höhe ein Seil um den stärksten Ast. Am anderen Ende des Seils befand sich ein Greifzug, der wiederum an einem anderen Baum befestigt war und über den Mitarbeiter Norman Fries Spannung aufbaute. Die Baumpatienten mussten einem Zug von 1,5 Tonnen trotzen, was umgerechnet einer Windstärke von acht Beaufort entspricht.

Im tolerablen Bereich

Kippsensoren, die am Wurzelteller und im unteren Bereich der Krone angebracht waren, erfassten die Neigung. „Wir können das auf 1000 Millimeter genau messen“, sagt Hugk. Dessen Sohn David, der in Göttingen Arboristik studiert, verfolgte das Geschehen am Laptop, wo die Daten eingespeist wurden und lieferte nach wenigen Sekunden das Ergebnis. Demnach liegt die Standfestigkeit der Eichen noch in einem tolerablen Bereich.

Vollbracht ist mit dem ersten Resultat, dem noch eine genauere Auswertung folgen wird, zufrieden. „Ich finde die Eichen schön, auch wenn es eigentlich Krüppel sind.“ Denn die Bäume seien bereits in jungen Jahren beschnitten worden. Ziel sei es damals gewesen, eine weit verzweigte Krone zu bekommen. Die Freude über den Erhalt der standortprägenden Bäume sei aber nur eine Seite der Medaille. Die andere habe mit den Kosten zu tun. Die Untersuchung der vier Eichen habe 1700 Euro gekostet. „Wenn man bedenkt, dass wir uns im Wald befinden, müsse man das auch hinterfragen dürfen. Wir können das nicht bei allen Bäumen machen“, sagt Vollbracht. Vor allem ist es mit der einmaligen Untersuchung nicht getan. Alle drei Jahre müssten die Eichen auf ihre Verkehrssicherheit geprüft werden. Trockene und von Pilzen befallene Äste müssten entnommen werden.

Quelle: HNA

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