„Das Klischee muss fallen"

Altenpfleger Alex Riwe im Interview über den schlechten Ruf einer Zukunftsbranche

Jung pflegt Alt: Der 27-jährige Alex Riwe hat sich bewusst für den Beruf des Altenpflegers entschieden und ist mittlerweile stellvertretender Pflegedienstleister in Dörnberg.

Dörnberg. Automechaniker oder Altenpfleger? Die Wahl würde vielen jungen Menschen nicht schwer fallen: Autos statt Alte. Alex Riwe entschied sich anders. Der 27-jährige Kasseler ließ sich zum examinierten Altenpfleger ausbilden

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Mittlerweile ist Alex Riwe stellvertretender Pflegedienstleiter im Dörnberger Alten- und Pflegeheim Haus Habichtswald. Wir sprachen mit ihm über seine Motivation.

Herr Riwe, warum gehen so wenige Ihren Weg?

Alex Riwe: Besonders männliche Pflegekräfte sind Raritäten. Der Beruf Altenpflege ist mit vielen einseitigen Vorurteilen behaftet: Altenpflege - das bedeutet für einen Großteil der Bevölkerung, alten Menschen den Hintern abputzen. Ist ja klar, dass diese Aussichten die meisten jungen Menschen abschrecken.

Doch nicht Sie.

Riwe: Nein, denn eine persönliche Erfahrung hat mir vor einigen Jahren die Augen geöffnet: Ich habe meine Großeltern gepflegt - und gemerkt, wie viel dazugehört. Nicht jeder Mensch kann pflegen. Wer für Alte sorgt, trägt große Verantwortung. Deshalb habe ich diesen Weg auch eingeschlagen.

Trotz des verhältnismäßig niedrigen Gehalts?

Riwe: Im Vordergrund stand nicht das Gehalt, sondern die Zukunftschancen. Alte gibt es immer mehr - es ist ein Job mit Zukunft. Außerdem gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Arbeit im Pflegedienst ist keine Sackgasse.

Betraten sie damit ein Karrieresprungbrett?

Riwe: Ja. Was mir damals nicht bewusst war, spüre ich jetzt immer deutlicher: Mit der Altenpflege habe ich auf die richtige Karte gesetzt - und gewonnen. Binnen sieben Jahren bin ich vom Schüler zum examinierten Altenpfleger und schließlich zum stellvertretenden Pflegedienstleiter aufgestiegen. Mein nächstes Ziel ist es, im August den Abschluss zum Pflegedienstleiter zu meistern.      

Was reizt Sie an Ihrer täglichen Arbeit?

Riwe: Ich komme weiter, trete nicht auf der Stelle.

Das heißt ganz konkret?

Riwe: Jeder Arbeitstag bringt etwas Neues, stellt mich vor kleine Herausforderungen. Die eine Bewohnerin möchte nicht essen, der andere läuft weg. Doch am Ende des Tages sind die Probleme gelöst - und ich kann guten Gewissens nach Hause gehen.

Sie bezeichnen sich selbst als Rarität. Was muss passieren, damit mehr junge Menschen die Ausbildung zum Altenpfleger wagen?

Riwe: Das Klischee muss fallen. Alte Menschen sind Teil unserer Gesellschaft - sie zu pflegen ist kein Ekel-Job, sondern ein wichtige Aufgabe in einem Land, das immer älter wird. Wenn die Medien diese Botschaft an die Jugendlichen weiterleiten und die Politik den finanziellen Stand aufbessert, dann werden nicht nur Überzeugungstäter angesprochen.

Quelle: HNA

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