Ein Job, den keiner will

Altenzentrum startet Projekt gegen Nachwuchs- und Fachkräftemangel

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Kontakt zu den Menschen gibt viel zurück: Nicole Braun (links) macht in Gudensberg eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin. Sie pflegt und betreut Eben-Ezer-Bewohner wie Anni Alesch.

Gudensberg. „Wer Spaß daran hat, anderen zu helfen, der ist hier genau richtig“, sagt Nicole Braun. Seit Juni 2012 arbeitet die 38-Jährige im Altenheim Eben-Ezer in Gudensberg. Sie ist eine von sieben Auszubildenden.

Bewusst hat sie sich für den Job entschieden, den immer weniger junge Menschen machen wollen. In der Pflege herrscht Fachkräftemangel. Wenig Geld, Arbeiten am Wochenende, die zum Teil hohe psychische Belastung im Alltag mit den zum Teil Demenzkranken Menschen, das schreckt viele ab. In Gudensberg will man diesem Problem entgegenwirken. Mit VISA.

„Die Abkürzung steht für Veränderung interner Strukturen der Altenpflegeausbildung“, erklärt Susanna Brülke. Sie ist stellvertretende Heimleiterin in Gudensberg. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jutta Wilhelm hat sie das Projekt ins Leben gerufen. Unterstützt werden sie dabei von der Universität Frankfurt. „Wir möchten selbst aktiv werden und in die Ausbildung in unserem Haus investieren“, sagt Brülke. Mitarbeiter der Universität stehen ihnen beratend zu Seite.

Die Anzahl der Auszubildenden solle erhöht werden. „Wir wollen in Zukunft zehn statt wie bislang sieben Azubis im Haus haben“, erklärt Jutta Wilhelm. Dafür sollen Werbestrategien erstellt werden, um jungen Menschen die Vorzüge des Berufs näher zu bringen. „Es ist ein Beruf, der einem viel abverlangt“, sagt Wilhelm. „Aber man bekommt auch sehr viel von den Bewohnern zurück.“ Attraktiv sei der Job zudem, weil er zukunftssicher sei.

Eine weitere Veränderung soll die stärkere Einbindung der Ausbilder bringen. „Wir haben derzeit 13 Praxisanleiter im Haus“, erklärt Wilhelm. „Aber für die Organisation der Ausbildung war bislang nur einer zuständig.“ Zukünftig sollen daher zwei Praxisanleiter für diese Aufgabe zuständig sein. „Der Kontakt zu den Azubis ist dann viel direkter.“

Zahlreiche weitere Maßnahmen sind geplant. „Die müssen wir aber erst noch ausarbeiten“, erklärt Susanna Brülke. „Zusammen mit den Praxisanleitern.“

Das sei ein wesentlicher Aspekt bei VISA: die Partizipation. „Die Mitarbeiter sollen in die Planung mit einbezogen werden. Das Engagement ist einfach größer, wenn man sagen kann, das ist auch ein Stück weit meine Idee, die ich da umsetze“, sagt Jutta Wilhelm.

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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