Alternative zum Leben im Heim

Bad Emstal: Fachtagung zum Betreuten Wohnen - 200 Teilnehmer

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Freuen sich über jede Familie, die hilft: Ramona Spohr, Lena Klepfler, Evelyn Sendlak, Claudia Dondalski und Christiane Klapp (von links).

Bad Emstal/Kassel. Unter dem Titel „Das Besondere im Alltäglichen“ lief die 29. Fachtagung "Begleitetes Wohnen in Familien" (BWF), die in Kassel stattfand. 200 Fachkräfte aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich trafen sich dort.

Ziel der Tagung war es, Erfahrungen auszutauschen, sich weiterzubilden und mögliche neue Perspektiven für Behinderte zu entwickeln. 1997 initiierte der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen das begleitete Wohnen in Familien in Hessen, um behinderten Menschen, die damals in psychiatrischen Krankenhäusern lebten, eine Alternative zu bieten. Begleitet wurden die Familien von einem Fachdienst, der heute bei den „Vitos begleitende psychiatrische Dienste Kurhessen" in Bad Emstal angesiedelt ist. Inzwischen arbeitet der LWV als Kostenträger mit mehr als 40 Fachdiensten in Hessen zusammen.

Erfolgreiches Projekt 

„Das BWF in Hessen ist eine Erfolgsgeschichte", stellt Ramona Spohr fest, die schon 1996 in die Vorbereitungen zur Umsetzung dieses Inklusionsprojektes eingebunden war. „Allerdings sind wir davon überzeugt, dass das BWF für weit mehr behinderte Menschen eine Alternative sein könnte", stellte Spohr fest.

Der Fachdienst des BWF vermittelt seelisch oder geistig behinderten erwachsenen Menschen, die nicht alleine oder in ihren eigenen Familien leben können, Gastfamilien. Für die Betreuung erhält die Gastfamilie eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 630 Euro im Monat. Hinzu kommen 300 Euro für den Lebensunterhalt.

Bei behinderten Menschen mit geringem oder keinem Einkommen und ohne Vermögen übernimmt diese Kosten der LWV. Zurzeit wohnen 48 psychisch kranke Männer und Frauen in 28 Gastfamilien in Kassel und der Region. In ganz Hessen sind es 175 psychisch kranke oder geistig behinderte Menschen.

Eignung wird geprüft 

Die Fachdienste prüfen vorher, wer für eine solche Vermittlung in Gastfamilien geeignet ist. „Gerade für jüngere chronisch psychisch Kranke, ist das Leben in einer Familie eine gute Chance der sozialen Eingliederung. Deshalb suchen wir Familien, die es sich vorstellen können, einem jungen behinderten Menschen ein neues Zuhause zu geben“, erklärt Claudia Dondalski vom BWF Fachdienst Vitos Kurhessen.

„Ich sehe in dieser Zeit, in der viele Menschen allein leben, das begleitete Wohnen auch als eine Möglichkeit an, Probleme, die das Alleinleben insbesondere für älter werdende behinderte Menschen mit sich bringt, aufzufangen,“ ergänzt Dr. Andreas Jürgens, erster Beigeordneter des LWV Hessen. (red/mhb)

Quelle: HNA

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