Wiebeslüüde und Gesste

Altes Iesther-Plattdeutsch soll im Luther-Jahr aufleben – zwölf Projekte geplant

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Café Parrschüre in Istha: Hier drehte sich alles ums Iesther Platt. Im Bild Uwe Kälber (vorn links) mit Reinhard Brüning.

Istha. So lustig, wie das „Nigge Jooar“ (Neue Jahr) in Istha begann, so kommunikativ wird es auch enden. Denn der Förderverein Istha hat zwölf Projekte über das Luther-Jahr geplant, in dem Sprache und Kommunikation im Vordergrund stehen.

Unter dem Motto "Alles Istha" soll monatlich ein Kunstwerk präsentiert werden. Beim ersten Projekt stand das Iesther-Platt im Vordergrund. Ein Drittel der Besucher des Café Parrschüre im evangelischen Gemeindehaus konnte sich noch gut an die Isthaer-Sprache erinnern.

Und je mehr Worte genannt wurden, umso eifriger erzählten die Dorfbewohner. Erika Schmidt zum Beispiel erinnerte sich an die früheren Schlachtefeste. Und daran, dass man oftmals die geringelten Schwänze der Schweine anderen an die Rückseiten der Jacken nähte. Dass Huusdeere Haustiere sind, und Wiebeslüüde Weiber, das war bekannt. Beim "Stinkewittzerken" wurde das schon schwieriger. Denn wer vermutet dahinter die Studentenblume, auch Tagetes genannt? Oder gar der "Zyrenenbooam" der nichts anderes ist als ein Fliederbaum. Und „Schalte Gesste“? Das sind Graupen (geschälte Gerste).

Es war herrlich, wie diese alte Sprache plötzlich zu leben begann. Pfarrer Wolfgang Hanske begrüßte die Gäste im Gemeindehaus musikalisch. Mit viel Witz führte er in das erste Projekt ein. Den Ortsvorsteher Wolfgang Hensel begrüßte er schelmisch mit „der ist heute nicht so wichtig“. Das sorgte für die ersten Lacher in der geselligen Runde. Wolfgang Hensel nahms ebenfalls mit Humor.

Bevor die Gäste aber so richtig in die Plattdeutsche Sprache eintauchten, gab es leckeren Kuchen – gebacken von Isthaer Wiebeslüüde – was aus den Erzählungen heraus "Weiber" heißt und früher auch nicht abwertend gemeint war. Dieter Schrader erklärte, dass der Förderverein dazu beitragen möchte, dass im Ort mehr kommuniziert wird. Und gerne auch in der alten Iesther-Sprache. „Wir wollen die Menschen motivieren, wieder Platt zu reden. Wir werden auch mal in den Kindergarten gehen und mit den Kindern Gedichte sprechen“, sagte Schrader.

Erzählt aus früheren Zeiten: Erika Schmidt im Café Parrschüre in Istha erinnerte sich an die Zeit, als in Istha noch Platt gesprochen wurde.

Um die Sprache auch optisch darzustellen und ein Nachsprechen möglich zu machen, haben Reinhard Brüning und Uwe Kälber eine Kunst-Postkarte entwickelt, auf der 50 Wörter in Iesther-Platt stehen. So kann man sich die Sprache ins Bewusstsein rufen. Diese Postkarte eignet sich auch hervorragend, um darauf Grüße aus Istha zu verschicken. Wem das nicht reicht, der kann sich beim Förderverein statt der Postkarte ein Plakat holen und als Kunstwerk an die Wand hängen. Man darf gespannt sein, was sich aus dieser Kommunikation entwickelt. Ideen hat der Förderverein jedenfalls viele schöne.

Quelle: HNA

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