Altes Seiler-Handwerk wieder zum Leben erweckt

Wolfhagen. Dass Margarete und Bernhard Winter das Seiler-Handwerk in die Wiege gelegt wurde, wird beim Zusehen des eingespielten Teams schnell klar. Bereits in der fünften Generation üben die Geschwister den Beruf aus. „Schon als kleiner Bub musste ich mit meinem Vater jahrelang Seile drehen", erinnert sich Bernhard Winter.

„Es war abzusehen, dass ich mit der Seilerei alleine keine Familie ernähren kann." Und so wurde der 61-jährige Bankkaufmann. "Als junger Mann habe ich nicht positiv zum Seiler-Handwerk gestanden, weil es viel von meiner Freizeit geraubt hat“, erinnert sich Bernhard Winter. „Als ich aber dann die alten Maschinen gesehen und restauriert habe, kam der Spaß zurück.“ Dem Wolfhager sei mit dem alten Handwerk wieder bewusst geworden, was Tradition bedeute. „Wir können den Kunden den Ursprung eines Produktes zeigen“, sagt Margarete Winter.

„Viel Lehrgeld bezahlt“ 

Seit zehn Jahren seilen Margarete und Bernhard Winter wieder Seile und erwecken den alten Beruf in Wolfhagen erneut zum Leben. „Wir mussten sehr viel Lehrgeld bezahlen, denn wir haben selbst viel ausprobiert“, erinnert sich der 61-Jährige. Insgesamt drei Maschinen für unterschiedliche Längen und Dicken haben die Geschwister.

Bereits beim Spannen der Fäden, die je nach Dicke des Taus, zu drei oder vier Litzen zusammengefasst werden, müsse beachtet werden, dass die einzelnen Stränge gleich viele Fäden haben, betont der 61-Jährige.

Für das Seiler-Handwerk brauche man vor allem viel Fingerspitzengefühl. „Bevor das Seil zusammengeführt wird, muss es den richtigen Druck haben.“

Robustes Material 

Der Unterschied zwischen maschinell und traditionell hergestellten Seilen falle den Geschwistern auf. „Die industriellen Seile sind glatter und gleichmäßiger“, sagt der Wolfhager. Trotzdem favorisieren sie ihre handgedrehten. Dazu verwenden sie Fäden aus Hanf und Sisal. „Hanf hat den Vorteil, dass es weich und geschmeidig ist“, sagt der Wolfhager. „Sisal ist rauer und fester“. Daher eignet sich das Material auch dazu, schwere Lasten zu tragen. Die Mischung aus beiden Materialien mache die Seile nicht nur flexibel, sondern auch extrem robust. Die Seilerei der Familie Winter wird in Wolfhagen seit 1835 betrieben. „Es wäre schön, wenn sich jemand findet der Spaß an der Seilerei hat um diese Tradition weiterzuführen“, sagt Margarete Winter.

Quelle: HNA

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