Institut: Homberger Innenstadt muss gestärkt werden

Homberg: Studie empfiehlt Bau des Einkaufszentrums

Homberg: Studie empfiehlt Bau des Einkaufszentrums

Homberg. Die Kreisstadt braucht einen Einkaufsmagneten am Marktplatz. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), die am Donnerstagabend dem Parlament vorgestellt wurde.

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"Eine revolutionäre Idee"

Wenn man die Homberger Innenstadt sichern und weiterentwickeln wolle, müsse man bald handeln, betonte Birgitt Wachs, Niederlassungsleiterin des Kölner GMA-Büros, in der Stadthalle. Geschehe nichts, würden die Handelsstandorte am Stadtrand weiter gewinnen, die in der Altstadt dagegen immer weiter verlieren. Deshalb gebe die GMA die Empfehlung, ein Einkaufszentrum in der Größenordnung von 5000 Quadratmetern in der Innenstadt zu errichten.

Das entspricht auch dem Vorhaben der Stadt, die im Karrée zwischen Marktplatz, Holzhäuser Straße, Kreuz- und Salzgasse einen Einkaufsmagneten plant. Doch dessen Planung werde eine extreme Gratwanderung, sagte Wachs: Er solle eine so starke Sogwirkung haben, dass er möglichst viele Menschen in die Altstadt zieht, solle aber zugleich die bestehenden Betriebe nicht verdrängen. Eine Herkulesaufgabe sei es, Betriebsinhaber, die jetzt ihre Unternehmen an Außenstandorten wie der August-Vilmar-Straße haben, davon zu überzeugen, ins neue Zentrum umzuziehen.

Das sei zweifelsfrei schwierig, doch stehe die Stadt an dem Punkt, an dem sie sich entscheiden müsse, sagte Wachs. Wenn man die Altstadt stärken wolle, schwäche man zugleich die Außenstandorte, die Kaufkraft verlagere sich nur: „Es gilt das Verdrängungsprinzip.“ Die Angebotsvielfalt in der Innenstadt müsse erweitert werden – das könne ein Einkaufszentrum leisten. Bei den Zuschauern herrschte Skepsis. Viele sprachen von schwierigen Parkbedingungen, massivem Leerstand, sinkender Kaufkraft. „Es ist ein hochriskantes Unternehmen“, fasste Klaus-Thilo Kroeschell die Bedenken zusammen. (bra)

Die Frage nach dem Auftraggeber

In Homberg leben 14 400 Menschen, zusammen mit den Nachbarn wie denen aus Frielendorf, Knüllwald, Wabern und Malsfeld könnte das Einkaufszentrum 37 000 Kunden erreichen, so die Studie der GMA. Neben Fragen zu Kaufkraft und Umsatzmöglichkeiten interessierte die Stadtverordneten aber auch die Frage, wer denn die Studie bei der GMA in Auftrag gegeben habe.

Der Zweckverband Schwalm-Eder-Mitte, antwortete Bürgermeister Wagner. Nein, die Stadt Homberg sei Auftraggeber gewesen, widersprach Referentin Birgitt Wachs. Der Auftrag sei im Januar eingegangen, sagte sie. Die Stadtverordneten hatten im März die Auftragsvergabe beschlossen. (bra)

Der Altstadt fehlt der Erlebnischarakter

Ein 5000 bis 7000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum könnte die Homberger Innenstadt stärken, sagte Birgitt Wachs von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in der Parlamentssitzung am Donnerstag.

Diese Größe sei erforderlich, um der Konkurrenz standzuhalten und eine Wirtschaftlichkeit zu erreichen: Immerhin lebten 37.000 Menschen im Homberger Einzugsgebiet.

Günter Koch (FWG) zweifelte die Zahl an: Als es um die Zukunft des Homberger Krankenhauses ging, sei stets nur von 25.000 Menschen die Rede gewesen. Das sei aus raumordnerischer Sicht der Kern, sagte Wachs, doch bei der Frage der Bedarfsgüter spiele Homberg tatsächlich eine Rolle für die genannten 37.000 Menschen.

Die Frage, ob sich Lebensmittelhändler fürs neue Einkaufszentrum begeistern ließe, beschäftigte sowohl Peter Dewald (CDU) als auch Klaus Bölling (Grüne). Es werde wohl schwierig werden, sie für die Altstadt mit „verkehrlichen Restriktionen“ zu begeistern, sagte Birgitt Wachs, doch müsse man es versuchen. Sie empfahl aber auch, Bekleidungsanbieter wie C&A oder auch Drogeriemärkte wie Müller zu werben: „Die bieten den Kaufhauscharakter, der bislang in Homberg fehlt.“

Neben dem Kaufhauscharakter müsse auch ein Erlebnischarakter in Homberg geschaffen werden, sagte Klaus-Thilo Kroeschell (CDU).

Zuhörer Andreas Bickel zweifelte an, ob die Kaufkraft ausreiche, um all die vorhandenen Leerstände und zusätzlich das Einkaufszentrum zu beleben. Die Frage, ob man jene Ströme nach Homberg lenken kann, die bislang nach Kassel und Bad Hersfeld abfließen, beantwortete Wachs nicht mit einem klaren Ja. Sie wies vielmehr darauf hin, dass auch in Schwalmstadt ein Einkaufszentrum gebaut werde.

Bürgermeister Wagner betonte die Dringlichkeit, mit der man handeln müsse. „Wenn uns die Innenstadt egal ist, sollten wir jetzt das Buch zumachen. Wenn wir sie nicht verfallen lassen wollen, dann sollten wir ein neues Kapitel in der Stadtgeschichte aufschlagen.“ (bra)

Quelle: HNA

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