Hilfsaktionen waren erfolglos

Asylbewerber-Familie Amdi musste Wolfhagen verlassen

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Abgeschoben: Asylbewerber Sebastian Amdi mit seinen Kindern Rafael und Vera musste am Freitagmorgen Deutschland verlassen.

Wolfhagen. Die Geschichte der Asylbewerber-Familie Amdi, die kurz vor der Abschiebung stand, hat unsere Leser bewegt. Einige fragten, wie sie dem alleinerziehenden Vater mit seinen beiden Kindern helfen könnten, andere machten sich sogar über Hilfsaktionen Gedanken.

Aber alle Versuche, dem Mazedonier zu einem Bleiberecht zu verhelfen, waren erfolglos. Am Freitagmorgen musste die Familie, die viele Monate in der Pommernanlage gelebt hatte, in den Überlandbus nach Mazedonien steigen. Für Sebastian Amdi eine Reise in ein Land der Angst. Er rechnet damit, in seiner Heimat in Haft genommen zu werden. „So ist das bei uns, wenn die Behörden den deutschen Stempel im Pass sehen“, sagt Amdi verzweifelt. Auch die Zukunft der Kinder ist unklar. „Unsere nächsten Verwandten leben in Deutschland“, sagt Amdi.

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Die Mutter der Kinder hat ihren Mann verlassen. Als Amdis Haus abbrannte, flüchtete der Vater mit seinen Kindern nach Deutschland. Hier fiel der perfekt deutsch sprechende Mazedonier in der Pommernanlage durch seine Hilfsbereitschaft auf. Er trat als Übersetzer auf und bekochte die anderen Hausbewohner.

Sein Sohn Rafael sorgte für nachhaltigen Eindruck bei seinen Mitschülern, weil er Streit schlichtete, gerne teilte und einmal verhinderte, dass seine Mitschüler mit Brot Fußball spielten.

Nach einem HNA-Artikel hatte sich die Organisation Pro-Asyl bereit erklärt, Amdi einen Anwalt zu bezahlen. Der Jurist sagte jedoch gegenüber der HNA, dass der Mazedonier wie alle Balkan-Flüchtlinge keinerlei Chancen auf ein Bleiberecht habe. Nur in Einzelfällen, bei denen der Flüchtling schwer krank war, hätte eine Aufschiebung erwirkt werden können.

Der Abschied in der Pommernanlage war tränenreich. Viele kamen, um sich von Amdis zu verabschieden. Auch Mitschüler von Rafael waren da. Sie hatten erfahren, dass die Familie ohne Geld in ihre Heimat zurückkehren muss. Lediglich die Busfahrkarte wird bezahlt. Deshalb sammelten die Kinder ihr Taschengeld und wollten Rafael das Geld in die Hand drücken. Der lehnte es ab. „Ich habe alles“, sagte der Junge, der am Freitag mit nichts als seinen Kleidern die Reise in eine ungewisse Zukunft antrat.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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