„Die ganze Sache stinkt zum Himmel“

Freispruch für vermeintlichen Handy-Dieb aus dem Vogelsbergkreis

Treysa. In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Freispruch für einen 23-Jährigen aus dem Vogelsbergkreis vor dem Amtsgericht Schwalmstadt. 

Während dem Auszubildenden die Erleichterung anzusehen war, sorgte das Urteil bei einigen Zuschauern im Saal für Unmut. Die Mutter eines Zeugen zeigte sich mit der Arbeit der Justiz sichtlich unzufrieden und machte aus ihrem Ärger keinen Hehl.

Worum ging es: Laut Anklage soll der 23-Jährige im vergangenen Jahr in Schwarzenborn einem 17-jährigen Schüler das Smartphone gestohlen haben. Die Tat ereignete sich in der Wohnung der Freundin des Schülers. Der Angeklagte nahm das Handy der Marke Galaxy S7 beim Verlassen des Raumes unbemerkt mit, so die Staatsanwaltschaft.

Die erhobenen Vorwürfe seien falsch, erklärte der 23-Jährige. Vielmehr habe er sogar geholfen, das verschwundene Smartphone zu suchen. Es sei lediglich richtig, dass er das Handy für den 17-Jährigen auf ein Regal gelegt habe, sagte der Angeklagte weiter und erklärte, dass er kurz danach nach Frielendorf in die Spielothek gefahren sei. 

Das vermeintliche Diebstahlopfer konnte sich noch gut an den Vorfall erinnern. Er habe zusammen mit seiner Freundin Mathe geübt. Um nicht abgelenkt zu werden, habe er den 23-Jährigen gebeten, das Smartphone auf ein Regal zu legen, so der Zeuge: „Wir waren so in die Mathematik vertieft, dass wir nicht mehr auf das Handy geachtet haben.“

Als das Pärchen den Verlust bemerkte, durchsuchte es das Zimmer und im weiteren Verlauf auch den Wagen des Angeklagten. Einige Zeit später sei der Verdacht dann auf den 23-Jährigen gefallen. Es sei doch komisch, das man jemanden anderes bitte das Handy wegzulegen, meinte die Verteidigerin und vermutete hinter der ganzen Sache keinen Diebstahl, sondern vielmehr einen geplanten Versicherungsbetrug.

Eine Anschuldigung, der der Schüler energisch widersprach: „Ich war mit dem Handy eigentlich ganz glücklich und hatte keinen Neukauf vor, da mir das Geld eigentlich zu Schade war.“

Die Freundin des 17-Jährigen konnte mit ihrer Aussage wenig Neues beitragen. Ihr Freund sei der Letzte gewesen, der das Handy in der Hand hatte, erinnerte sich die Schülerin und erzählte, dass im Geldbeutel des 17-Jährigen wohl auch Geld gefehlt habe. Der Sachverhalt habe in der Hauptverhandlung nicht nachgewiesen werden können, bedauerte die Staatsanwältin und beantragte einen Freispruch: „Die Sache stinkt zum Himmel, aber die Aussagen der Zeugen reichen nicht, um die Anklage zu stützen.“

Eine Verurteilung sei nur möglich, wenn die Tat nachweisbar sei, betonte auch der Richter in seiner Urteilsbegründung und stellte fest: „Im Zweifel für den Angeklagten.“

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Volker Hartmann/ dpa

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