Streit: Video lieferte Beweis 

Amtsgericht verurteilte 38-Jährigen zu Geldstrafe - Trotz Filmsequenz kein Geständnis

Schwalmstadt. Zu neunzig Tagessätzen von je 40 Euro verurteilte das Amtsgericht Schwalmstadt einen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Ihm war vorgeworfen worden, vergangenen Jahres während eines Streits eine 53-jährige Frau aus  Ziegenhain aus einer Spielothek auf die Straße geworfen zu haben

Und ihren kleinen Hund gleich mit. Dem Gericht stellte sich die Auseinandersetzung eindeutig dar: Die Szenerie war von der Überwachungskamera der Spielothek aufgezeichnet worden. "Deutlicher geht es eigentlich kaum", kommentierte der Richter die Videosequenz und riet dem 38-jährigen Angeklagten, den Strafbefehl anzunehmen. Der Angeklagte hatte allerdings eine ganz andere Sicht auf den Streit. Er interpretierte die Filmszenen anders als Staatsanwalt und Richter und sah sich weniger als Angreifer, sondern wollte vielmehr in Notwehr gehandelt haben.

So begann eine zweistündige Verhandlung mit umfangreichen Zeugenaussagen. Sowohl die Ehefrau des Angeklagten als auch das Opfer kamen in den Zeugenstand und schilderten ihre Sicht des Ereignisses. Dabei kristallisierte sich rasch heraus, dass es zwischen den beiden Konfliktparteien schon länger größere Differenzen gab, die bis zum Tatzeitpunkt immer verbal ausgetragen wurden, aber auf eine Eskalation zusteuerten.

Die zentralen Fragen waren: Hatte das Opfer Pfefferspray dabei? Und wenn ja, wollte die Frau dieses als Angriffswaffe gegen den Angeklagten einsetzen? Damit wäre die Notwehrthese des 38-Jährigen bewiesen. Wie schnell entstehen blaue Flecke an einem Arm und konnten diese überhaupt durch die Handlung des Angeklagten entstanden sein? Auch die vermeintlichen Kickboxfähigkeiten der 53-Jährigen standen im Raum und wurden vom Verteidiger thematisiert.

Zumindest die Frage des Pfeffersprays konnte nicht abschließend geklärt werden. Der Angeklagte und seine Ehefrau beharrten darauf, es bei der 53-Jährigen gesehen zu haben, wobei diese es vehement bestritt. Insbesondere die als Zeugin vorgeladene 53-jährige reagierte bei der Befragung aggressiv und emotional, so dass der Richter sie zur Ruhe mahnen musste.

Ganz im Gegensatz dazu machte der Angeklagte während der Verhandlung einen ruhigen und besonnen Eindruck. Da beide Konfliktparteien jeweils Unterstützer unter den Besuchern im Gerichtssaal hatten, hörte man während der Verhandlung immer wieder zustimmendes Gemurmel und hämische Bemerkungen aus dem Hintergrund.

Der Richter folgte schließlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Filminterpretation der Verteidigung und des Angeklagten konnte ihn nicht überzeugen.

"Das hätten Sie schneller und billiger haben können", stellte der Richter klar

Von Matthias Haass

Quelle: HNA

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