Betrunken in der Zelle

Amtsgericht Treysa: 28-Jähriger muss nach Schlägen am Walkmühlenzentrum erneut ins Gefängnis

Treysa. Vor dem Amtsgericht musste sich ein 28-jähriger Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis verantworten. Im vergangenen Jahr hatte der Mann laut Anklage zwei Menschen verletzt.

Da der Angeklagte zurzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Butzbach eine Freiheitsstrafe verbüßt, wurde er in Handschellen und von Polizisten begleitetet ins Gerichtsgebäude geführt.

Nach knapp zweieinhalbstündiger Verhandlung verurteilte das Gericht den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu jeweils drei und vier Monaten Haft.

Aufgrund des langen Vorstrafenregisters des Mannes wurde die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Was war passiert? Am 2. März 2017 gerieten der Angeklagte und ein Bekannter auf dem großen Parkplatz des Walkmühlenzentrums in Treysa in Streit – beide waren alkoholisiert. Das spätere Opfer hatte den Mann von hinten festgehalten und leicht am Hals verletzt. Der 28-Jährige befreite sich mit mehreren Schlägen, woraufhin der Angreifer auf den Boden fiel.

Eine Zeugin berichtete während des Verfahrens, dass der Angeklagte den am Boden liegenden Mann mit Tritten traktiert habe und erklärte: „Ich war schockiert von der Brutalität.“ In seiner Urteilsbegründung verwies der Richter darauf, dass die erste Abwehrhandlung des Angeklagten noch als Notwehr gelten könnte, die Tritte seien jedoch mit keiner Notlage zu rechtfertigen, da das Opfer wehrlos am Boden gelegen habe.

Der 28-Jährige bestritt, sein Opfer getreten zu haben. Kurios: Der Geschädigte erstattete keine Anzeige und war nach einer kurzen Behandlung im Krankenhaus sogar an den Tatort zurückgekehrt, um dort mit dem Täter „ein Versöhnungsbier zu trinken“.

Der zweite im Prozess verhandelte Fall ereignete sich am 30. Juli 2017 in der JVA Ziegenhain, in der sich der Angeklagte und sein Opfer eine Zelle teilten. Das Opfer, ebenfalls von der Polizei begleitet, berichtete, dass der Angeklagte ihm ohne Grund eine Ohrfeige verpasst habe. „Da dachte ich noch, er macht Spaß“, so der junge Mann. Nach einer zweiten Ohrfeige und einem Faustschlag ins Gesicht, habe er die Zelle verlassen und Anzeige erstattet.

Der Angeklagte konnte sich an nichts erinnern: „Ich war betrunken.“ Wie stark alkoholisiert der 28-Jährige zum Tatzeitpunkt tatsächlich gewesen war, versuchte das Gericht mithilfe der Zeugen, aufzuklären. Zwei Justizangestellte bestätigten, dass der Mann Alkohol getrunken habe, jedoch ansprechbar gewesen sei.

Da kein Vollrausch vorgelegen habe, könne man lediglich von eingeschränkter Schuldfähigkeit sprechen, erklärte der Richter in der Urteilsbegründung und erließ auch in diesem Fall eine Haftstrafe.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

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