Künstlerin Waltraud Frese stellt im Dorfmuseum neue Mode aus alten Stoffen aus

Ein anderer Blick auf die Tracht

Experten: Carolina Ruhl (links) und Künstlerin Waltraud Frese im Gespräch über alte Trachtenstoffe, im Hintergrund Variationen des traditionellen Schwälmer Trachtenjäckchens . Foto: Mangold

Holzburg. Rund um das Drunter und Drüber der Trachtenmode geht es bei der Ausstellung „Drenger on Drewer“ im Schwälmer Dorfmuseum in Holzburg, die am Wochenende eröffnet wurde. Künstlerin Waltraud Frese hat sich mit den Details der Schwälmer Tracht auseinander gesetzt und neue Mode aus alten Stoffen und Schnitten kreiert.

Zu sehen ist außerdem neben der Ausstellung der Schwälmer Tracht in ihren Einzelteilen, vom „Hemm zur Kapp“, bei der alles gezeigt wird, was die Kleidung der Schwälmerin ausmacht, die Dauerausstellung der Puppen von Erika Decker. „Es gab keine Eventualität des Lebens, die nicht durch die Kleidung ausgedrückt worden wäre“, erläuterte Museumsleiter Dr. Anton Merk die Trachtenvariationen aus der alten Zeit. Hochzeit, Familienstand, Alter, Trauer, sogar die Abstufung der Trauer habe sich in der Kleidung gezeigt und offenbaren die Regeln der dörflichen Gemeinschaft im19. Jahrhundert.

Außerdem werden in neuen Vitrinen des Museums die Brautausstattung einer Schwälmerin in ihren Einzelteilen gezeigt und der reiche Bestand an Weißstickereien neu präsentiert.

Drunter und drüber mit der strengen Kleiderordnung der Schwälmer ging es in den modischen Kunstwerken von Waltraud Frese. Die ehemalige Kunsterzieherin ließ sich von den Trachten inspirieren und nähte eigene Entwürfe. So gibt es beispielsweise dieTrolljacke, ein typisches Schwälmer Kleidungsstück, mal chinesisch bunt, mal gestrickt aus Fahrradschlauch und Plastiktüten, mal aus schwarzem Stoff, beschriftet mit Dialektnamen für die traditionellen Schwarztöne der Jacke zu bestaunen. Sie habe viele Ähnlichkeiten mit Trachten aus fernen Ländern entdeckt, erklärte Frese. Anschaulich wird das bei einer Trachtenvariation aus spanischem Stoff mit Schwälmer Fransen und bei Stoff mit Schmuckblättchen aus Metall, die an arabische Elemente erinnern.

Den rund 130 Gästen der Ausstellungseröffnung boten die Kunstwerke viel Gesprächsstoff und Anregung. Martha Ruppert aus Röllshausen erinnerte sich an einen alten Herren-Trachtenmantel, der auch heute noch in Mode wäre, und Landtagsabgeordnete Regine Müller zeigte sich begeistert von den modischen Entwürfen der Künstlerin: „Einige würde ich sofort anziehen“, scherzte sie. Die Werke seien wirklich originell, zeigten einen ganz anderen Blickwinkel und gefielen ihr sehr gut.

Die Ausstellung ist bis 15. Mai jeweils sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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