Angehörigenvertreter werfen Hephata Arroganz und mangelhafte Nachbesserung vor

Schwalmstadt. Kämpferisch zeigte sich in einem Gespräch mit der HNA der Elternstammtisch Hephata. "Unsere Fragen wurden in dem sogenannten Gespräch, das eher ein Monolog war, nicht beantwortet", führten Christa Hochstadt und Bernd Huwer als Sprecher des Kreises aus.

Deshalb seien ihre offen gebliebenen Fragen jetzt schriftlich an den Kostenträger LWV (Landeswohlfahrtsverband), die Heimaufsicht und Hephata gerichtet worden.

Unmittelbar nach der sogenannten Dialogveranstaltung im April hatte Direktor Peter Göbel-Braun erklärt: "Wir sind gemeinsam auf einem guten Weg." Anne Wippermann als Leiterin der Hephata-Behindertenhilfe gab bei dem Treffen laut Presserklärung einen ausführlichen Bericht: "Mit Blick auf die Fehler, die im vorigen Herbst sichtbar geworden sind, haben wir eine Reihe von Vereinbarungen getroffen, um unsere Leistungsqualität für die Zukunft deutlich zu verbessern", wurde sie zitiert. Die Umstellung auf ein neues, für die Belange der Behindertenhilfe spezifiziertes Dokumentationssystem sei in vollem Gange und könne voraussichtlich bis zum Sommer abgeschlossen werden, so Wippermann. Auch bei der Mitarbeiterfluktuation ist man laut Hephata auf gutem Weg, "mit dem Landeswohlfahrtsverband gebe es einen Austausch zu Fragen der Personalbesetzung, berichtete Wippermann, insbesondere Wochenenddienste würden deutlich verstärkt". Zu weiteren Einzelmaßnahmen gehöre die Optimierung der Medikamentenvergabe.

Der Elternstammtisch ist heute allerdings verärgert, stumm an der Veranstaltung teilgenommen zu haben. Bernd Huwer: "Man hat uns als Kulisse benutzt, ebenso den Angehörigenbeirat, um LWV und Heimaufsicht zu beeindrucken."

Die Angehörigenvertretung beklagt, dass die von ihnen formulierten Fragen nicht beantwortet worden seien. Deshalb würden sie nun schriftlich gestellt, denn das Angehörigengremium sieht gegenüber der Situation vorigen Herbst (HNA berichtete) "keine nennenswerten Fortschritte". Es seien bloß "kosmetische Verbesserung" vorgenommen worden, die Nachbesserung beim Fachpersonal findet der Elternstammtisch nicht ausreichend, und auch bei der im Herbst versprochenen Transparenz hapere es. Bernd Huwer: "Man will an die eigentlichen Probleme nicht heran." Dazu erklärte Mechthild Moreau vom Elternstammtisch, Hephata fahre einen "Schmusekurs" und: "Die alte Hephata-Arroganz ist zurückgekehrt". Es seien kaum Verbesserungen spürbar, doch man klopfe sich gegenseitig auf die Schulter.

Der Vorwurf der Eltern und gesetzlichen Vertreter bezieht sich allgemein auf die Qualität der Behindertenbetreuung im Diakoniezentrum, die über die bestehende, ordnungsgemäße Grundversorgung hinaus gehe: "Qualität und Leistung sind nicht vertragskonform", meint der Kreis. Man bezweifelt, dass die Pflegesätze für die Bewohner - bei Autisten bis zu 8000 Euro pro Monat - bestimmungsgemäß eingesetzt werden.

Die Verteilung des Geldes will der Elternstammtisch deshalb demnächst juristisch klären lassen - wenn LWV und Heimaufsicht nicht mit ihnen direkt in Dialog tritt und die gestellten Fragen beantwortet. Konkret bedeute dies, dass ein Fachanwalt eingeschaltet werden soll. (aqu)

Diese Fragen (auszugsweise) hat der Elternstammtisch nach eigenen Angaben an den LWV, die Betreuungs- und Pflegeaufsicht (Heimaufsicht) sowie Hephata-Direktor Peter Göbel-Braun gerichtet. 

• Warum wurde dem Elternstammtisch das Prüfungsergebnis [der Heimaufsicht] nicht bekannt gegeben?

• Wie sieht das Prüfungsergebnis aus und was wurde geprüft?

• Warum wurde Hephata eine Fristverlängerung für die Erstellung der neuen Dokumentationen gewährt, obwohl der Stichtag zum 31. Mai festgelegt war?

• Wurde vom LWV als Gewährleistungsträger die ordnungsgemäße Mittelverwendung dahingehend geprüft, ob die Maßnahmepauschalen, die für die Betreuung der Menschen gezahlt werden und zweckgebunden sind, auch dort ankommen?

• Warum hat sich die Betreuungsqualität in Hephata seit etwa 2010 derart verschlechtert?

• Welches Ergebnis brachte die am 29. November 2013 angekündigte Prüfung der Berechnungen der Maßnahmepauschalen und Betreuungsplanung?

• Wird auf dem Hephata-Stammgelände Wohnraum geschaffen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung leben können, oder wird „der Berg“ zum Wohnort für schwerst behinderte Menschen? (aqu)

Quelle: HNA

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