Prozess vor dem Amtsgericht: Angeklagter soll seinen Stiefsohn verletzt haben

Angriff mit Brotmesser

treysa. Weil er seinen Stiefsohn mit einem Brotmesser verletzt haben soll, stand ein 28-Jähriger aus Gießen vor dem Amtsgericht Schwalmstadt. Die Staatsanwaltschaft Marburg warf ihm gefährliche Körperverletzung und Bedrohung vor. Der Richter sprach den Angeklagten frei.

Ein Familienstreit in der gemeinsamen Wohnung in Treysa war am Morgen des 10. Juni eskaliert. Der 28-jährige Angeklagte hatte sich im Schlafzimmer mit seiner Ehefrau gestritten.

Die beiden Kinder der Ehefrau, die 25-jährige Tochter und der 23-jährige Sohn, wurden von dem Streit wach. Um seine Mutter zu schützen, griff der Sohn ein. Er forderte den Angeklagten auf, seine 44-jährige Mutter in Ruhe zu lassen, sagten die Zeugen und der Angeklagte übereinstimmend aus.

Tathergang unklar

Was danach geschah ist, unklar. Der Sohn und die Tochter sagten aus, dass ihr Stiefvater plötzlich mit einem Brotmesser auf den 23-Jährigen losgegangen sei. Der Angeklagte soll seinem Stiefsohn eine tiefe Schnittwunde am linken Oberarm zugefügt haben. Außerdem habe er gedroht, die gesamte Familie zu töten.

Ehefrau verweigerte Aussage

Der Angeklagte behauptete hingegen, dass der Sohn das Messer zuvor aus der Küche holte und damit auf ihn losgegangen sei. Er habe den Angriff nur abwehren wollen. Um sich zu schützen, habe er seinen Stiefsohn an den Handgelenken gehalten. Dabei habe sich der Sohn mit dem Messer am Oberarm verletzt. Eine Morddrohung habe es nicht gegeben, sagte der Angeklagte. Die Ehefrau des 28-Jährigen verweigerte die Aussage.

Der Sohn war mit einer fünf Zentimeter tiefen Schnittwunde ins Krankenhaus gebracht worden. Das Messer hatte einen Muskel verletzt. Auch der Angeklagte war leicht am Finger verletzt worden.

Beide reagierten impulsiv

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Marburg forderte eine Freiheitsstrafe von elf Monaten ohne Bewährung. Die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls sei hoch. Der Angeklagte war bereits vor einigen Monaten wegen Drogenhandels verurteilt worden und habe nun gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. In seinem Plädoyer sagte der Staatsanwalt, dass die beiden Stiefkinder des Angeklagten den Tathergang nachvollziehbar dargelegt hätten.

Der Richter allerdings sprach den Angeklagten frei. Die Verletzungen zeigten nicht, ob sich der Angeklagte gewehrt oder angegriffen habe. Beide Versionen seien möglich, deshalb müsse man von der Unschuld des Angeklagten ausgehen. Der Richter machte deutlich, dass sowohl der Sohn als auch der Täter impulsiv reagiert hätten.

Was genau in der Wohnung passiert ist, könne kein Außenstehender beurteilen, sagte der Richter.

Von Ann-Kristin Herbst

Quelle: HNA

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