Nutzer und Mitarbeiter hoffen, dass die Gensunger Bücherei doch erhalten bleibt

Angst vor der Schließung

Decken sich mit Lesestoff ein: Christoph (9) und Johanna (5) Schüte (von links) finden es toll, dass die Gensunger Bücherei auch während der Ferien geöffnet hat.

Felsberg. Die Gensunger Gemeindebücherei ist beliebt: Kaum hat Leiterin Ursula Knieß die Tür aufgeschlossen, stehen auch schon die ersten Besucher am Tresen. Doch wie lange sie dort noch Bücher ausleihen können, ist fraglich – denn die Stadt will die Einrichtung schließen, um Mietkosten zu sparen. Mitarbeiter und Nutzer hoffen, dass sich das noch verhindern lässt.

„Wir haben von den Schließungsplänen aus der Zeitung erfahren“, sagt Büchereileiterin Knieß. Sie und ihre Kollegen Christiane Clobes und Philipp Oberländer waren wie vor den Kopf gestoßen. Sie alle arbeiten ehrenamtlich in der Bücherei. „Ich verstehe nicht, warum man nicht zuerst mit uns gesprochen hat, um zu schauen, wo man Geld sparen kann“, sagt Knieß. Eine Idee dazu hatte sie schon: Mit der Vermieterin hat sie eine Mietminderung von 630 Euro pro Jahr ausgehandelt. Damit beläuft sich die Jahresmiete für die Bücherei auf 3720 Euro.

Bücher zum Deutsch lernen

Knieß leitet die Bücherei in Gensungen seit 25 Jahren. „Es erschüttert mich, dass jemand auf die Idee kommt, so etwas Wichtiges zu schließen“, sagt sie. Die Bücherei sei ein Treffpunkt für alle: „Wir haben auch Nutzer, die aus dem Irak oder der Türkei kommen und Bücher zum Deutsch lernen suchen“, erklärt Knieß.

Geöffnet ist die Bücherei nur mittwochs von 17 bis 18 Uhr. Trotzdem kommen jährlich 700 Besucher, die 1700 Bücher ausleihen. Zu den Stammgästen gehört seit elf Jahren Wolfgang Heppler. Der 69-Jährige sitzt im Rollstuhl. „Ich kann mit dem Auto direkt neben dem Eingang parken, und die Bücherei ist über eine Rampe zugänglich“, sagt er. In die Felsberger Bücherei zu kommen, sei für ihn viel schwieriger. Die gute Erreichbarkeit der Gensunger Bücherei schätzt auch Eylem Elgaz. „Wir wohnen gegenüber“, sagt die 24-Jährige. Sie kommt mit ihren Kindern Evin (3) und Yasin (7) häufig vorbei. Dass die Bücherei möglicherweise schließen muss, hat sie noch nicht gewusst: „Hoffentlich bleibt sie geöffnet“, sagt sie.

Stadt will Raummiete sparen

Neu entdeckt haben die Gensunger Bücherei Christoph (9) und Johanna Schüte (5), als ihnen in den Ferien der Lesestoff ausging. Denn die Schulbücherei in Felsberg ist während der Ferien geschlossen. „Die haben hier sehr schöne Bücher“, findet Christoph Schüte nach seinem zweiten Besuch in der Gensunger Bücherei.

„Es wäre wirklich schade, wenn das hier zumacht“, sagt Margareta Rieger. „Die Beratung ist toll“, erklärt die 79-Jährige, „die Mitarbeiter legen mir sogar schon Bücher zurück, wenn sie denken, dass das was für mich sein könnte.“

Das Lob der Kunden gibt den Mitarbeitern Mut. Sie wollen Vorschläge machen, wie man die Bücherei erhalten könnte. Dazu treffen sie sich morgen mit Bürgermeister Volker Steinmetz. Der hält es für eine „vertretbare Lösung“, die Gensunger mit der Felsberger Bücherei zusammenzulegen. Er wolle die Gensunger Bücherei zwar erhalten. „Aber dann müssen wir das Geld an anderer Stelle sparen.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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