Bürger versuchen vergeblich, mit Mitarbeitern zu telefonieren

Bei Anruf Bandansage: Bußgeldstelle einfach nicht zu erreichen

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Kein Anschluss unter dieser Nummer: Eine Rentnerin aus Hann. Münden hat auch nach mehrfachen Versuchen niemanden in der Bußgeldstelle des Regierungspräsidiums erreicht.

Kassel. „Da geht einfach keiner ans Telefon.“ Brita Hicks aus Hann. Münden klingt verzweifelt. Die Rentnerin hat mehrfach versucht, die Bußgeldstelle telefonisch zu erreichen.

Unter der Nummer 0561/106 444, die auf dem Kostenbescheid der Bußgeldstelle im Regierungspräsidium Kassel steht, den ihr Sohn zugeschickt bekommen hat, gehe niemand ans Telefon. Nur die Bandansage, die verschiedene Optionen für den Anrufer anbiete, habe sie erreicht. Sie habe mehrfach zu den genannten Sprechzeiten (Montag, Mittwoch und Freitag, 9 bis 12 Uhr und Dienstag und Donnerstag, 13.30 bis 15 Uhr) angerufen. Sie wurde mit keinem Mitarbeiter verbunden, der ihre Frage beantworten konnte. Ihr Sohn habe es in der vergangenen Woche ebenfalls mehrfach versucht. Ebenfalls ohne Erfolg, sagt Hicks.

Weil der Sohn falsch geparkt hatte, habe er im September 2017 in Linden bei Gießen einen Strafzettel bekommen. Den habe der Sohn aber nicht bezahlt, was zur Folge hatte, dass er im Januar dieses Jahres einen Kostenbescheid von der Bußgeldstelle des RP Kassel bekommen habe, die für alle Strafzettel in Hessen zuständig ist. Ihr Sohn wisse nicht mehr, ob er den Betrag in Höhe von 23 Euro überwiesen hat. Deshalb hätten er und sie in den vergangenen zwei Wochen immer wieder versucht, darüber Auskunft beim RP in Kassel zu bekommen.

Michael Conrad, Pressesprecher am Regierungspräsidium Kassel.

Brita Hicks rief auch die Zentrale beim RP in Kassel an. Dort habe auch jemand abgenommen und gesagt, er könne versuchen, sie mit der Bußgeldstelle zu verbinden. Aber da gehe ohnehin keiner ans Telefon, habe der RP-Mitarbeiter zu ihr gesagt. Dieselbe Auskunft habe sie auch bei der Stadtverwaltung Linden erhalten, von der das Knöllchen ja ursprünglich kam. Die Frau aus Hann. Münden hat mittlerweile Zweifel, dass das RP ausreichend Mitarbeiter für Telefonauskünfte beschäftigt.

Michael Conrad, Sprecher des RP Kassel, hat Verständnis für die Verärgerung der Frau. Am besten sei es, wenn die Betroffenen eine E-Mail an das RP mit dem Anliegen schreiben. „Das ist der sichere Weg“, so Conrad. Das Callcenter im RP Kassel, das für die Bußgeldstelle und die Beihilfe zuständig ist, habe eine begrenzte Zahl von Telefonleitungen, nämlich 35. Die seien aber nicht alle immer besetzt. 

Am Donnerstag dieser Woche seien zum Beispiel zwölf Mitarbeiter im Dienst gewesen und am Montag 19 Personen. Wenn die alle in Gespräche verwickelt seien, könnten diese keine weiteren Anrufe entgegennehmen. Es könne sein, dass jetzt aktuell in den Herbstferien besonders viele Menschen in dem Callcenter anriefen, um sich um ihre Angelegenheiten zu kümmern, sagt Conrad. Lehrer hätten in den Ferien vermutlich mehr Zeit, sich um die Beihilfe für ihre Krankenversicherung zu kümmern, sagt Conrad.

Der RP-Sprecher weist zudem daraufhin, dass die Anrufer von den Bandansagen häufig auch schon informiert würden. Zudem gebe es im Internet eine Seite, auf der viele Fragen beantwortet würden.

Wir haben natürlich auch versucht, die Nummer anzurufen. Und landeten in der Warteschleife.

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