Antisemit in Festschrift - Aufregung in Felsberg

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So könnte der Robert-Weinstein-Platz aussehen: Sigrid und Jennifer Paul (von links) stellten ihren Entwurf am Donnerstagabend vor. Geplant sind eine Sitzecke und eine Stele aus Beton, die an Robert Weinstein erinnern soll.

Felsberg. Er starb einen grausamen Tod: Der Felsberger Jude Robert Weinstein wurde am 8. November 1938 von Mitgliedern der SA, SS und Hitlerjugend aus seinem Haus gehetzt und erlag einem Herzinfarkt. Künftig soll es in Felsberg ein Mahnmal für dieses Opfer des rechten Terrors geben:

Der bislang namenlose Platz am Untertor in der Altstadt wird in Robert-Weinstein-Platz umbenannt und neu gestaltet. Das haben die Stadtverordneten am Donnerstagabend beschlossen.

Das Schicksal von Robert Weinstein ist jetzt aber auch in anderer Hinsicht wieder in den Fokus gerückt: Der Name von Max Wolfram, einem der Felsberger Antisemiten, die Weinstein damals drangsaliert haben sollen, wurde in der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des TSV Eintracht Felsberg veröffentlicht. Das sorgt in der Drei-Burgen-Stadt aktuell für Diskussionen.

Wolfram wurde 1948 zu drei Jahren Gefängnis wegen seiner Beteiligung am Felsberger Pogrom verurteilt.

Er baute in den 1920er-Jahren die Handballabteilung mit auf, spielte in der 1. Mannschaft und erhielt 1973 vom Verein eine Ehrenurkunde für „langjährige verdienstvolle Tätigkeit im Sport“. Ein Foto der Urkunde wurde nun in der TSV-Festschrift abgedruckt.

„Wenn wir von Wolframs Vergangenheit gewusst hätten, hätten wir den Abdruck der Urkunde verhindert“, sagte der Vereinsvorsitzende Stefan Schmid gegenüber der HNA. Doch erst nach dem Erscheinen der Chronik seien Vereinsmitglieder darauf hingewiesen worden. 

Er selbst habe Wolfram nie persönlich kennengelernt, erklärte der Vereinsvorsitzende. „Ich bin fassungslos“, sagte Schmid. „Es tut uns leid, dass die Urkunde in der Festschrift ist.“ Er sei besorgt, dass dieser Vorfall ein schlechtes Licht auf seinen Verein werfe. Am 25. Oktober soll der Fall Thema in der Vorstandssitzung des TSV sein.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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