Schneise der Verwüstung in Remsfeld

„Laut wie ein Güterzug“: Anwohner berichtet über Tornado in Knüllwald

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Alle Hände voll zu tun: Feuerwehrleute beseitigten am Samstag die Schäden, die der Tornado angerichtet hatte.

Remsfeld. Gegen 23 Uhr am Freitagabend saß Dr. Ullrich Laabs noch entspannt in seinem Fernsehsessel, als draußen ein Gewitter aufzog. Das habe er für diese Jahreszeit schon ein wenig ungewöhnlich gefunden, berichtet der Remsfelder. Blitz und Donner waren aber nur harmlose Vorbote für das, was dann geschah.

„Erst wurde alles ganz still, dann gab es ein Geräusch als würde ein Güterzug durch die Straßen fahren“, berichtete Laabs. Wenig später war es dann auch mit dem entspannten Freitagabend vorbei. Es gab eine Alarmierung wegen eines herabgefallenen Blechdaches, und auch Laabs als stellvertretender Gemeindebrandinspektor rückte aus.

Windböe mit enormer Kraft

Bis dahin habe man von dem Ausmaß der Schäden noch wenig ahnen können. Erst im Laufe des Einsatzes zeigte sich, dass der Tornado 20 Dächer beschädigt, 50 Bäume umgeknickt oder entwurzelt und drei Gartenhäuser zerstört hatte.

Die Gewitterböe entwickelte eine enorme Kraft. Ein Gartenhaus sei vom Fundament gehoben und völlig verdreht wieder abgesetzt worden, berichtete Laabs. Am Stallgebäude von Hilmar Walter flogen die Ziegel so hoch, dass Bruchstücke in der Lüfteranlage landeten.

Mit Drehleiter aufs Dach: Noch in der Nacht wurde versucht, die gravierendsten Schäden zu beheben.

Noch in der Nacht wurde versucht, die gravierendsten Schäden an den Dächern zu reparieren. Fünf Knüllwalder Feuerwehren waren in Einsatz, und aus Homberg rückte die Stützpunktwehr mit der Drehleiter an, um besser an die Dächer heran zu kommen.

Sehr hilfreich sei das neue Feuerwehrfahrzeug der Wehren aus Appenfeld und Lichtenhagen gewesen, das über einen Beleuchtungsmast verfügt. Damit habe man die Einsatzstellen sehr gut ausleuchten können, berichtete Laabs. Die Reparatur- und Aufräumarbeiten dauerten bis zum Samstagnachmittag. Inzwischen sind die meisten Dächer wieder abgedichtet.

Das sagt der Meteorologe

Was da am Samstag in Remsfeld geschah, deute aus meteorologischer Sicht auf einen „Mini-Tornado“ hin, erklärte der Fritzlarer Günter Fickenscher gegenüber der HNA. Der Meteorologe arbeitete viele Jahre bei der Flugwetter-Beratung der Heeresflieger und ist heute im Ruhestand. Einzelne, eingelagerte Gewitterzellen könnten sehr starke Böen verursachen. Das passiere immer wieder einmal, nur eben meist nicht in bewohnten Gebieten.

Fotos: Tornado wütete in Remsfeld

Tornado wütete in Remsfeld

Ungewöhnlich sei vielmehr die Gewitterfront selbst gewesen, denn wenn Gewitter entstünden, dann sei die Luft in höheren Schichten sehr kalt. Das sei aber am Samstag nicht der Fall gewesen. Ein Indiz für einen Klimawandel sei ein solcher Tornado aber nicht, sagte Fickenscher.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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