Nach HNA-Aufruf: Baum mit lang verschollener Sorte gefunden

Eine echte Entdeckung: Holger Gießler aus Felsberg hat Hupfelds Süßapfelbaum gesucht – und nun zwischen Wolfershausen und Deute gefunden. Foto: Nieswandt

Wolfershausen. Der Baum ist alt. Er hat einen dicken Stamm und viele seiner Äste sind bereits abgestorben. Für Holger Gießler aus Felsberg ist er trotzdem etwas ganz Besonderes: „Ich habe meinen lang gesuchten Hupfelds-Süßapfelbaum gefunden", sagt er.

Gießler ist Pomologe, also ein Apfelexperte.

Nach seinem Aufruf in der HNA, in dem er fragte, wo es einen solchen Baum im Kreis gebe, seien zahlreiche Hinweise eingegangen, wo er stehen könnte. Bereits der erste von Bernhard Gerhold aus Wolfershausen sei der richtige gewesen. „Der Baum befindet sich zwischen Wolfershausen und Deute in der Nähe des Amselhofes“, sagt Gießler. Er habe nicht erwartet, dass der Baum so nah an Felsberg liegt. Bernhard Hupfeld, Namensgeber des Baumes, soll am Amselhof gewohnt haben.

„Der Baum ist mindestens 100 Jahre alt, früher war er noch größer und spendete den Landarbeitern in den Pausen Schatten“, sagt der 54-Jährige. Außerdem sollen sie unter ihm Schutz gesucht haben, wenn im Zweiten Weltkrieg Tieffliegeralarm herrschte. Das haben ihn zwei Wolfershäuser erzählt.

Gießler hat auch mit der Enkelin von Bernhard Hupfeld telefoniert. Sie hat ihm gesagt, dass ihr Großvater im Jahr 1870 geboren wurde. Der Name des Baumes sei daraus entstanden, dass er auf einer seiner Wiesen gestanden hat. Er hieß dann irgendwann Hupfelds Süßapfel. Die Äpfel seien zu dieser Zeit im ganzen Ort bekannt gewesen.

Die Sorte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, das plant auch Holger Gießler. „Mein Ziel ist es, sie zu erhalten und noch mehr Bäume anzupflanzen“, sagt er. Der Baum sei nach seinem jetzigen Stand der einzige im ganzen Kreis. „Es ist mir wichtig, solch eine lokale Sorte weiter leben zu lassen“, sagt Gießler. Er plant deshalb ab Dezember Edelreißer zu schneiden und diese dann an eine Gärtnerei zu liefern, damit sie sie veredeln. Er habe schon bei der Stadt Felsberg angefragt, ob sie die Bäume nicht an Straßen pflanzen wollten. Das Ergebnis stehe noch aus.

Doch die alte Apfelsorte hat noch einen ganz anderen Vorteil: Der Süßapfel hat einen sehr geringen Säureanteil. Dadurch kann er sehr gut zum Wurstmachen verwendet werden. Hupfeld habe selbst Wurst hergestellt. Weil Fleisch zu dieser Zeit sehr kostbar gewesen ist, habe er die Wurst mit den Äpfeln gestreckt.

Hupfelds Sohn Heinrich habe das Wurstmachen übernommen, während des Zweiten Weltkrieges sei die Produktion aber eingestellt worden. „Ich muss noch mit einem Metzger sprechen, damit er sich an der Wurst versucht“, sagt Gießler.

Dass er einmal die weitere Zukunft des Baumes plane, hat Gießler vor ein paar Wochen nicht gedacht. Seine Neugier war sofort geweckt, als er in einem Buch auf die Apfelsorte Hupfelds Süßapfel gestoßen ist. Viel Zeit hat er investiert, um den Baum wieder zu finden. Er möchte die Sorte zu seiner Sammlung, die aus 15 Sorten besteht und auf seiner Streuobstwiese steht, hinzufügen. Für seinen Hinweis hat er Bernhard Gerhold einen Präsentkorb übergeben.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

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