Statt acht nur noch sechs Geschäfte

Apothekensterben im Wolfhager Land: Zwei Apotheken schließen bis Mitte 2018

+
Verlässt Wolfhagen: Apotheker Alexander Schulze gibt die Schützeberg-Apotheke Anfang Mai auf. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht. „Wenn sich hier eine Apotheke wirtschaftlich betreiben ließe, hätte ich es ja gemacht“, sagt er.

Wolfhager Land. Die Zahl der Apotheken im Altkreis Wolfhagen schrumpft massiv. Von bisher acht machen zwei in diesem Jahr zu.  

Ende März schließt die Rathaus-Apotheke in Zierenberg und Anfang Mai die Wolfhager Schützeberg-Apotheke. Da es in beiden Städten weitere Apotheken gibt, bleibt die Versorgung der Bürger vor Ort erhalten. Fünf von sechs Kommunen haben eine Apotheke im Ort, nur in Breuna gibt es keine. Zum Notdienstbezirk gehört noch eine Apotheke in Niedenstein. 

Für die Apotheker bedeutet die Situation künftig allerdings Notdienste im Sieben-Tage-Rhythmus. Der Standort in der Schützeberger Straße ist laut Alexander Schulze, Apotheker in Wolfhagen, unwirtschaftlich. Mit dem Wegfall der Zugnummern wie Seifenplatz und Schlecker habe sich auch die Laufkundschaft reduziert. Und dann sei da noch die schlechte Parkplatzsituation und die Internet-Konkurrenz. Apothekerin Andrea Diestelmann, Inhaberin der Apotheke am Habichtswald in Ehlen, schließt ihre Filiale, die Rathaus-Apotheke in Zierenberg. „Wir ziehen einfach die Reißleine und konzentrieren uns auf unseren Standort in Ehlen“, sagt sie. Eine Nachfolge für Zierenberg sei nicht zu finden gewesen. Personal wechsele nach Ehlen. 

Ein zunehmendes Problem für die Apotheken sei der Internethandel. Das bestätigt auch Kollegin Hanna Schubert von der Sonnen Apotheke in Wolfhagen: „Die Onlinehändler picken sich die Rosinen heraus.“ Schubert nennt den Fachkräftemangel in der Branche als ein zunehmendes Problem. „Gerade junge Pharmazeuten scheuen den Schritt in die Selbständigkeit“, bestätigt Jürgen Schneider, Geschäftsführer des Apothekerverbandes Hessen. Für viele sei ein Job in der Wirtschaft oder in der Verwaltung mit festen Arbeitszeiten attraktiver. Ein selbständiger Apotheker arbeite 50 Stunden in der Woche, hinzu kämen regelmäßige Notdienste.

Ende nach sieben Jahren 

 „Ich dachte ursprünglich, ich könnte hier in Wolfhagen alt werden“, sagt Alexander Schulze. Er hat sich geirrt. Vor sieben Jahren hat er die Schützeberg-Apotheke in der Wolfhager Altstadt übernommen, jetzt zieht er die Reißleine, macht sein Geschäft an der Hauptgeschäftsstraße in der Innenstadt dicht. Ab 6. Mai wird es die Apotheke, die sein Vorgänger Peter Blau 1982 gegründet hatte, nicht mehr geben.

Die Lage der Apotheke hatte für den 2011 vor dem Sprung in die Selbstständigkeit stehenden Pharmazeuten einen besonderen Charme. „Ich habe das damals übernommen, weil es mir gut gefallen hat mitten in der Stadt“, sagt Schulze. „Das war zu dem Zeitpunkt ja auch noch eine sehr lebendige Innenstadt.“ Mit dem benachbarten Seifenplatz, dem Schlecker-Markt und weiteren Geschäften habe es Läden gegeben, die Kunden ins Zentrum zogen. „Die Situation hat sich inzwischen deutlich verschlechtert, die Frequenzbringer sind weg“, sagt der 41-Jährige.

Ihm sei bei der Übernahme der Apotheke durchaus bewusst gewesen, dass es eine so kleine Apotheke schwer haben wird. Aber seine Kalkulation sei zunächst aufgegangen. Von 100 Kunden, rechnet er vor, brauche er 90, damit die Kosten gedeckt seien. Die übrigen zehn bringen dann den Gewinn.

Wenn man von diesen Zehn aber drei an den Internethandel verliere und noch zwei weitere aus der treuen Stammkundschaft wegsterben, „dann habe ich nur noch die Hälfte für mich“.

Den Vorwurf der Habgier räumt er gleich aus: „Ich war vor der Übernahme der Schützeberg-Apotheke Angestellter mit einer halben Stelle. Da habe ich so viel verdient wie hier als Vollzeit-Apotheker.“

Viel finanzieller Spielraum sei zuletzt nicht mehr geblieben. Die Internetkonkurrenz will er aber gar nicht allein dafür verantwortlich machen, dass sein Geschäft sich langsam aber stetig in Richtung der Grenze zur Unwirtschaftlichkeit entwickelt habe.

Weniger Laufkundschaft

Mit dem Wegfall der Zugnummern reduzierte sich auch die Laufkundschaft. Und dann sei da noch die Parkplatzsituation. „Die Leute wissen nicht, ob sie hier einen Parkplatz finden, weil viele Stellplätze entlang der Straße von Dauerparkern belegt sind“, klagt Schulze. „Da fahren viele erst gar nicht rein in die Innenstadt.“

Und schließlich sei der Apotheker, der ihn in seiner Abwesenheit vertritt, auch schon über 70. Wenn der mal aufhören, sagt Schulze, wisse er nicht, ob er noch einen Ersatz findet, denn der Markt für das Apotheken-Personal sei leer gefegt. Die positive Seite: Um die Zukunft seiner fünf festangestellten Mitarbeiterinnen müsse er sich keine Sorgen machen.

Und wie sieht seine eigene aus? Er werde das Wolfhager Land verlassen, aber Nordhessen treu bleiben. Von einem Kollegen, der in den Ruhestand geht, werde er eine Apotheke übernehmen, sagt Alexander Schulze. „An einem günstigeren Standort als hier“, an einem Ort, an dem man als Apotheker vielleicht doch noch alt werden kann. Wo genau, will er nicht verraten.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare