Nachtschicht auf der Station 3.6 der Merxhäuser Psychiatrie - Patienten brauchen immer Anprechpartner

Arbeiten, wenn andere schlafen

Im Nachtdienst: Wenn sie einmal nicht weiter weiß, greift Gesundheits- und Krankenpflegerin Antonia Heinrich zum Telefon und ruft den Bereitschaftsarzt herbei.

Merxhausen. Es muss schnell gehen, wenn in der Nacht sein Diensthandy klingelt. Frank Lohmüller hat Bereitschaftsdienst. Er ist Stationsarzt. Wenn andere schlafen, ist er nicht nur für seine an Depressionen erkrankten Patienten der Station 3.6 zuständig, sondern für das Wohl aller Patienten der Vitos-Klinik.

Das ist eine Herausforderung. 211 Betten, elf Stationen. Das Vitos Klinikum ist ein anerkanntes Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zwei bis drei mal im Monat bleibt Lohmüllers Bett daheim in Kassel unberührt, muss seine Frau dem anderthalb Jahre alten Sohn die Flasche geben. Dann wird er um 17 Uhr von seinem Kollegen, der am Tag die Aufnahmen organisiert hat, mit allen nötigen Information für die Nacht versorgt.

In seinem nüchternen Arztzimmer bereitet er sich dann im Licht der kalten Neonröhren auf die kommenden Stunden bis zum nächsten Morgen vor.

Nicht vergessen darf er den Schlüssel für den Dienst-VW. Auf dem ehemaligen Klostergelände sind die Wege zwischen den einzelnen Stationen nicht zu unterschätzen.

Das Telefon immer griffbereit in der Tasche des weißen Kittels, geht es oft schon um 17.01 Uhr los. Mit einer akuten Einweisung etwa. Dann muss Lohmüller entscheiden, ob eine Aufnahme nötig ist. Er spricht mit dem Menschen, untersucht bei Bedarf dessen körperlichen Zustand. Muss er aufgenommen werden, schaut Lohmüller genau, wo der Patient am besten aufgehoben ist.

„Die Nacht kann manchmal ganz schön stressig werden.“

Frank Lohmüller Stationsarzt

Hier entscheidet er nicht nur nach Art der Erkrankung, sondern auch nach persönlichen Bedürfnissen. „Für die Genesung ist ein passendes Umfeld enorm wichtig“, berichtet der junge Mediziner.

Sind die Formalitäten geklärt, dem Patienten ein Bett zugeteilt, klingelt häufig schon wieder das Telefon. Dann benötigt etwa Antonia Heinrich seine Unterstützung. Sie ist Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Depressionsstation, hat für ihre Patienten immer ein offenes Ohr. Reicht das einmal nicht aus, kommt Lohmüller herbei geeilt und nimmt sich der Sache an.

„Die Nacht kann manchmal stressig werden“, sagt der 35-Jährige. Das Haus sei sehr groß, das Einzugsgebiet ebenfalls. Reichen seine Kapazitäten nicht aus, stehen ihm Kollegen aus dem Bedarfsdienst zur Seite. Meist aber hat er die Nacht allein im Griff, denn seine Arbeit macht ihm Spaß.

Lebensgeschichten

Er beschäftigt sich gerne mit Menschen, mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten. Die sind nicht immer schön, da kann es auch mal brenzlig werden. Kündigt die Polizei einen Patienten an, sind nicht selten Drogen im Spiel. Alkohol etwa. Dann ist seine ganze Aufmerksamkeit gefragt. Angespannt ist er. Angst aber kennt er nicht, „die wäre eher hinderlich, wenn schnelle Entscheidungen gefragt sind“, so Lohmüller.

Manchmal bleibt es ruhig. Dann zieht er sich in sein Bereitschaftszimmer zurück. Um 8.30 Uhr ist es geschafft. Übergabe an den Tagdienst, Dienst-VW gegen Privatauto getauscht und ab nach Hause.

Sein Bett lässt er dann immer noch unberührt. Schlafen nach dem Nachtdienst habe sich nicht bewährt, berichtet er. Seine Aufmerksamkeit gehört dann nur noch seinem Sohn. Und einer guten Tasse Kaffee. Lebendiger Adventskalender Wolfhagen: heute, 17 Uhr, Altes Rathaus, Feuerwehr Wolfhagen, Spielmannszug und Überraschung Bründersen: heute, 17.30 Uhr, Treffpunkt an der Kirche, Musik

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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