Ein Schlüssel zur Heimat

Arbeitskreis für Toleranz und Menschenwürde feierte 25-jähriges Bestehen

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Die Verleihung Ehrenplakette: Die ehrenamtlichen Mitstreiter des Arbeitskreises für Toleranz und Menschenwürde,

Als „Mutter aller Asylinitiativen des Schwalm-Eder-Kreises“ wurde der Arbeitskreis für Toleranz und Menschenwürde, der am 6. Mai sein 25-jähriges Bestehen mit einem Empfang im Haus der Gemeinschaftspflege gefeiert.                   

Altbürgermeister Gerd-Friedrich Huck als Laudator des Festempfanges und Initiator des Arbeitskreises vor 25 Jahren ordnete die Schwalmstädter Initiative in den historischen Kontext der Bundesrepublik ein. Silvia Scheffer sprach als Arbeitskreismitwirkende und Moderatorin des Empfanges auch die dunklen Seiten der Arbeit an.

In einem Sofa-Gespräch mit den Sprechern des Arbeitskreises gaben Suzanna Rustemovic und Denis Nikocivc Beispiel für den Weg vom Asylsuchenden zum Arbeitgeber. Ela Bechtel umrahmte die akademische Feier mit Musikbeiträgen und ließ beispielsweise mit dem Titel „Land of confusion“ von „Genesis“ die Kunst zum Thema sprechen. Die Studentin Haznaa AL-Mansoory, die als 14jährige vor 20 Jahren mit ihrer Familie aus dem Jemen geflüchtet war und seitdem in der Schwalm eine neue Heimat gefunden hat, hatte literarische Texte von Berthold Brecht, Navid Kermani und Raik Schami für eine Lesung zum Thema Flucht und Asyl herausgesucht. 

„Der Schwalm-Eder-Kreis ist eine wundervolle Heimat. Die Menschen sind super und respektieren uns. Selbst mein Kopftuch, das mir einfach wichtig ist, ist selbst im kleinen Dorf, wo ich die einzige Ausländerin bin, kein Problem“, lobte Haznaa Al-Mansoory.

Geschenkübergabe eines Fotoalbums: Reinhard Darmstadt, langjähriger Betreuer der Fahrradwerkstatt an Silvia Scheffer, Moderatorin des Empfanges.

Auch die beiden Eritreerinnen Hosana Goitom und Kibra Agod fühlen sich längst wohl in der Region. „Man muss einfach miteinander reden und sich kennenlernen“, empfahlen die drei jungen Frauen.

Suzanna Rustemovic kam im Jahr 2000 aus dem Kriegsgebiet des ehemaligen Jugoslawiens mit ihrer Tochter nach Schwalmstadt. Ihr Mann war bereits ein Jahr zuvor aus dem Land nach Deutschland geflüchtet. Zunächst sei der Spracherwerb für sie wichtig gewesen und da es noch keinerlei Sprachkursangebote gegeben hätte, sei sie bis heute für das Engagement der Arbeitskreishelferinnen dankbar. Ria Traeger, eine Ehrenamtliche der ersten Stunde, hätte ihr sehr geholfen und sei für die Familie dagewesen. Ihre Ausbildung zur Krankenschwester wurde in Deutschland nicht anerkannt und so musste Suzanna Rustemovic erneut eine Ausbildung in Marburg machen.

Nach Fortbildung zur Pflegedienstleitung gründete die vierfache Mutter den Schwalmstädter Pflegedienst „Ria“, den sie nach ihrer Helferin der Anfangszeit benannte. Heute beschäftigt Rustemovic zehn Angestellte, die 60 bis 100 Menschen in der Region betreuen.

Denis Nikocevic war als 14jähriger allein aus Montenegro geflohen und fand in Schwalmstadt eine neue Heimat. Sportangebote und ein gutes soziales Umfeld hätten ihm Halt gegeben und so habe er eine gute Ausbildung genießen können. Heute leitet der Vater dreier Kinder das Unternehmen Schwalm-Bau. „Die Menschen helfen dir, wenn du es möchtest. Sprache und Bildung ist der Schlüssel zur Integration“, sagte der 42-jährige, der sich wünscht, dass Deutschland mehr Zeugnisse und Bildungsabschlüsse anderer Länder anerkennen würde.

Von Regina Dörhöfer

Quelle: HNA

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