Maximal 20 Stunden pro Woche

Asylbewerber übernehmen gemeinnützige Arbeiten in Körle

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Unterstützung für den Bauhof: Mitarbeiter Ludwig Hilgenberg (links) gibt Arben Kallmi nach Möglichkeit Aufgaben, die er eigenständig erledigen kann – etwa das Laub auf dem Friedhof zusammenzukehren. 

Körle. Flüchtlinge sind nicht nur hilfebedürftig - sie wollen auch ihrerseits helfen. Das zeigt ein Beispiel aus Körle: Dort erledigen Asylbewerber im Auftrag der Gemeinde gemeinnützige Aufgaben.

Sieben Grad, Nieselregen - es ist kein angenehmes Wetter, um draußen zu sein. Trotzdem sieht Arben Kallmi glücklich aus, als er am Freitagmorgen auf dem Friedhof in Körle Berge von Laub zusammenkehrt. „Ich möchte nicht zuhause sitzen und nichts tun“, erklärt der 35-jährige Albaner auf Englisch.

Kallmi ist Asylbewerber und hat damit derzeit keine Chance auf einen regulären Arbeitsplatz. Deshalb hat Kallmi der Gemeinde Körle seine Hilfe angeboten - und diese habe das Angebot gern angenommen, sagt Bürgermeister Mario Gerhold. Neben Arben Kallmi erledigen noch drei weitere Flüchtlinge - zwei Albaner und ein Somalier - gemeinnützige Arbeiten für die Gemeinde.

„Dieses Land hilft mir, deshalb will ich auch mein Bestes geben.“

Sie dürfen maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten, die Gemeinde zahlt ihnen einen Euro pro Stunde. Das Geld sei ihm aber nicht wichtig, betont Arben Kallmi. Für ihn sei entscheidend, dass er etwas tun könne. „Ich möchte etwas beitragen. Dieses Land hilft mir, deshalb will auch ich mein Bestes geben.“ Kallmi lebt seit etwa drei Monaten mit seiner Familie in Körle.

„Wir sind nach Deutschland gekommen, weil es meiner Frau und meiner Tochter nicht gut geht“, erzählt Kallmi. In Deutschland hofft er auf eine bessere medizinische Versorgung für seine Familie. „Wir würden gern hier bleiben“, sagt er.

In Körle fühlen sich Kallmi und seine Familie wohl. „Die Menschen hier sind nett zu uns“, sagt der 35-Jährige. Seine Kinder - zwei Söhne und eine Tochter - gehen in Körle in die Schule und in den Kindergarten.

Deutsch spricht Arben Kallmi noch nicht: Derzeit versucht er, die Sprache mithilfe eines Computerprogramms zu lernen. Doch die Verständigung mit ihm klappe auch so schon gut, berichtet Bauhof-Mitarbeiter Ludwig Hilgenberg. Entweder begleitet Kallmi Mitarbeiter des Bauhofs zu deren Einsätzen, oder er kann selbstständig Aufgaben erledigen, wie zum Beispiel das Laubkehren auf dem Friedhof. „Bei der Arbeit lernt Kallmi auch gleich Leute aus dem Ort kennen, das ist gut“, findet Hilgenberg.

Auch die Vereine profitierten vom Engagement der Asylbewerber, sagt Bürgermeister Gerhold. Sie hätten zum Beispiel bei einem Einsatz des Körler Naturschutzbunds zur Pflege der Streuobstwiesen mitgeholfen.

Arbeitsrecht für Asylsuchende

sylbewerber dürfen in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland keine Beschäftigung aufnehmen. Danach gilt zwölf Monate lang das Vorrangprinzip. Das heißt, ein Asylbewerber darf arbeiten - aber nur, wenn für den angestrebten Arbeitsplatz nicht auch ein Deutscher, ein EU-Bürger oder ein Drittstaatler mit einem besseren Aufenthaltsstatus für diese Arbeit zur Verfügung steht. Ein Ein-Euro-Job, wie ihn Arben Kallmi bei der Gemeinde Körle hat, fällt aber nicht unter diese Regelung, erläutert Bernd Schwalm von der Ausländerbehörde des Schwalm-Eder-Kreises. In dieser Form können Asylbewerber aber ausschließlich für staatliche, kommunale und gemeinnützige Träger arbeiten - nicht für private Unternehmen. 

Quelle: HNA

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