Auf der Spur von Blitz und Hagel: So werden Windkraftanlagen untersucht

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Haben den Durchblick: Lukas Andree (links) und Marvin Hofmann mit dem Teleskop, mit dem sie Schäden auf den Rotorblättern suchen. Klicken für die komplette Ansicht.

Wolfhagen. Die beiden Techniker auf dem Rödeser Berg könnten es an diesem Tag schwerer haben. Marvin Hofmann und Lukas Andree, der eine aus Wolfhagen, der andere aus Marsberg, könnten, statt entspannt in ihrem Transporter zu sitzen, auch gut an einem Seil weit über den Baumwipfeln hängen.9

Die beiden Mitarbeiter der Firma Enercon überprüfen die Rotorblätter der vier Windkraftanlagen der Stadtwerke Wolfhagen auf dem Rödeser Berg, ein Routine-Job, der im Schnitt alle drei Jahre fällig wird. Auf Beschädigungen durch Blitzeinschläge und Hagel, auch auf verstärkte Abnutzung an den jeweils 50 Meter langen Kunststoffflügeln haben sie es abgesehen.

Aber anders als vor wenigen Jahren bei den damals noch kleineren Anlagen üblich, als die Arbeiten überwiegend von sogenannten Abseilern erledigt wurden, die von der Gondel aus Stück für Stück herabgelassen wurden und dabei die Oberfläche des Blattes unter die Lupe nahmen, checken die beiden jungen Männer die zu untersuchenden Flächen aus der Distanz. Gut 175 Meter sind es von ihrem Standort bis zu den Flügeln, aber dennoch entgeht den Technikern nichts. Sie haben jeden Quadratzentimeter durch ein hochwertiges Fernrohr im Blick. „Das ist ein normales Astro-Teleskop“, sagt der 27-jährige Marvin Hofmann. „Damit kann man schon auch gut in den Weltraum sehen.“ Am Objektiv ist eine Kamera montiert, deren Bilder werden auf einen Computer übertragen und gespeichert. Beschädigungen lassen sich auf dem Datenträger schnell wieder lokalisieren.

Bei Volllast dreht sich der Rotor 14,5 Mal pro Minute, erklärt der Technische Leiter der Wolfhager Stadtwerke, Dieter Spangenberg. „Da haben wir eine Umlaufgeschwindigkeit von 275 km/h.“ Schon Graupelschauer bringen dann eine extreme Belastung fürs Material. Aber vor allem durch Blitzeinschläge, deren Spuren wie kleine Brandflecken aussehen, und durch Hagelschläge entstehen auf der Kunststoffoberfläche der Blätter Unebenheiten. Und die, sagt Lukas Andree, verursachen beim Rotieren der Flügel verstärkt Geräusche.

Bei kleineren Beschädigungen sind dann wieder die Abseiler gefragt, die abschleifen und beilackieren, damit wieder alles eben ist. Bei größeren Schäden wird ein Arbeitskorb an Stahlseilen eingesetzt.

Zwei Tage brauchen Hofmann und Andree für die Blätter auf dem Rödeser Berg. Ein Abseiler wäre doppelt solange beschäftigt. Alle zwei Jahre werden die hohlen Flügel von innen kontrolliert. Da hilft dann kein Teleskop, da müssen die Techniker dann so weit es geht reinklettern.

Quelle: HNA

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