Der Willingshäuser Johannes Schwalm kam 1776 nach Amerika und begann ein neues Leben

Aufbruch in die neue Welt

Zog in den Amerikanischen Bürgerkrieg: Samuel Schwalm, Enkel des Willingshäusers Johannes Schwalm. Fotos: privat

Schrecksbach. Die Geschichte von Johannes Schwalm begann in Willingshausen – und ist 239 Jahren später in Amerika noch längst nicht zu Ende. Es ist die wahre Begebenheit einer Familiengeschichte, die mit einer Tragödie in der Schwalm ihren Anfang nahm und Jahrhunderte später zu einem amerikanischen Traum wurde.

Im Februar 1776 klopfte ein kleiner Trupp hessischer Soldaten an die Tür eines der Fachwerkhäuser in Willingshausen und verlas den eingeschüchterten Bewohnern eine Anordnung von Landgraf Friedrich II. Diese sogenannte Dienstpflicht regelte, dass junge Männer zwischen 16 und 30 Jahren in die Armee eingezogen werden. Ob sich Johannes Schwalm angesichts dieses Befehls nach Kräften wehrte oder klaglos in sein Schicksal ergab, ist nicht überliefert. Desertieren wäre auch sinnlos gewesen. Denn dann wurde kurzerhand ein anderes männliches Familienmitglied verpflichtet oder sogar der Familien-Besitz beschlagnahmt. Fest steht nur: Hessische Truppen zwangsrekrutierten Johannes Schwalm aus Willingshausen und brachten ihn zunächst in die Wasserfestung Ziegenhain.

Von dort wurde er unter strenger Bewachung zu Fuß weiter über Kassel, Hannover und Bremen nach Bremerhaven geführt und schließlich in die Neue Welt verschifft - nach Amerika. Denn der hessische Landgraf Friedrich II brauchte dringend Geld. Deshalb vermietete er Tausende seiner Soldaten an seinen Schwager, den britischen König Georg III. Das Oberhaupt der damaligen Weltmacht Großbritannien versuchte mit Hilfe der Hessen die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner Kolonie in Amerika niederzuschlagen.

Nach anfangs erfolgreichen Schlachten, geriet Johannes Schwalm bei der legendären Schlacht von Trenton im November an der Ostküste in amerikanische Gefangenschaft. Der junge Schwälmer wurde wie eine Trophäe durch die Stadt Philadelphia geführt. Für den Willingshäuser war damit der Krieg vorbei.

Zurück in die Schwalm konnte oder wollte Johannes aber nicht mehr. So beschloss er, Amerikaner zu werden. Er ließ sich im heutigen Bundesstaat Pennsylvania nieder und baute eine neue Existenz auf. Zwei Generationen später bewirtschaftete sein Enkel Samuel Schwalm gemeinsam mit seiner Frau eine Farm.

Im amerikanischen Bürgerkrieg meldete der sich im Jahr 1861 als Kriegsfreiwilliger. Samuel Schwalm wollte zeigen, dass er bereit war, für die neue Heimat zu kämpfen. Dieser Wunsch war so groß, dass er Frau und Kinder zurückließ, um für die Nordstaaten in den Kriege zu ziehen. (nh)

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Von Stefan Prinz

Quelle: HNA

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