Vogelkundler reisten nach Wabern

Aufruhr wegen Orientturteltaube

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Seltener Gast in Hessen: Die Orientturteltaube in Wabern.

Wabern. Den einen begeistern Vögel als Frühlingsboten, andere schauen wehmütig den Herbstzügen der Kraniche hinterher. Wieder andere sind von Greifvögeln fasziniert oder helfen Meisen und Finken mit Futter über den Winter.

Manche betreiben mehr sportlich die Beobachtung möglichst seltener Vögel. Sehr großes Glück hatte kürzlich der Edertaler Vogelkundler Bastian Meise: Er beobachtete am Ortsrand von Wabern, zusammen mit etwa 100 Türkentauben, einen auffallend dunkler gefärbten Taubenvogel. Und konnte seinen Augen kaum trauen: eine Orientturteltaube – einer der seltensten jemals in Hessen festgestellten Vögel.

Diese unserer heimischen Turteltaube ähnliche Art verfliegt sich äußerst selten nach Europa. In Deutschland gibt es bisher höchstens drei Sichtungen. Die Beobachtung versetzte die Vogelfreunde in helle Aufregung. Die Chance, diesen seltenen Vogel zu beobachten, nutzen zahlreiche Vogelbeobachter aus allen Ecken Deutschlands aus. Schon am vergangenen Montag bekam die Taube Besuch aus Büsum in Schleswig-Holstein. Eine Vogelkundlerin setzte sich noch nachts ins Auto, um Wabern anzusteuern.

Bei Vögeln, die sich so weiträumig von ihren eigentlichen Lebensräumen entfernen, handelt es sich, wie auch in diesem Fall, oft um unerfahrene Jungvögel. Orientturteltauben bewohnen in zwei Unterarten weite Teile Asiens und Sibiriens und überwintern in Südasien und Indien. Als Ursache für das Auftreten von asiatischen Vogelarten in unseren Breiten wird eine Desorientierung vermutet, bei der die Tiere um 180 Grad versetzt entgegen der ursprünglichen Zug-richtung fliegen. Auch solche ungewöhnlichen Flugwege machen vor dem Hintergrund der Evolution Sinn. So entsteht eine „Populationsreserve“. Für unsere Orientturteltaube heißt das: Wabern statt Indien und Hoffen auf einen milden Winter. (nh)

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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