4. August 1914: In der Schwalm ist von Kriegsbegeisterung nichts bekannt

Der Auftakt in Belgien

Schwälmer für den Kaiser: Heinrich Haner (Mitte) mit Kameraden Jean Heder (links) und Konrad Möller. Repros: HNA

Von den Soldaten aus der Schwalm, wie häufig auf dem Lande und in Arbeiterkreisen, ist von nationaler Kriegsbegeisterung nichts bekannt. Die jungen Männer folgten pflichtbewusst ihren Einberufungen, weil ihr Kaiser sich für das Risiko des Krieges entschieden hatte. Sie waren der staatlichen Propaganda ausgeliefert, die verkünden ließ, der Kaiser habe den Krieg nicht gewollt, Russland habe uns mitten im Frieden überfallen.

Tatsächlich hatte Russland seine Mobilmachung kurz vor der deutschen erklärt. Marinekabinettschef von Müller notierte in sein Tagebuch: „Stimmung glänzend. Die Regierung hat eine glückliche Hand gehabt, uns als die Angegriffenen hinzustellen.“

Der 27-jährige Vinzent Dörrbecker aus Frankenhain wurde gleich zu Beginn des Krieges eingezogen und hat an der Eroberung von Namur teilgenommen. Heinrich Haner, 25 Jahre alt, aus Ziegenhain, wurde früh verletzt. Er hatte einen Granatsplitter hinter dem Ohr erhalten, der ihm zeitlebens Schmerzen verursachte und bis ins Knie wanderte.

Seine Tochter Otti Schwalm, die heute noch in Ziegenhain lebt und die Erinnerungen bewahrt, kann das Argonnerwald-Lied, das ihr Vater oft gesungen hat, auswendig. Sie singt die erste Strophe: „Argonnerwald, um Mitternacht. Ein Pionier steht auf der Wacht. Ein Sternlein hoch am Himmelsrand. Das bringt ihm Gruß aus fernem Heimatland.“

Heinrichs Bruder, Karl Haner, Jahrgang 1891, fiel am 21. Juli 1918 „auf dem Felde der Ehre“. Lehrer Katzwinkel trug in die Frankenhainer Schulchronik ein: „Albert Dittmar, Kriegsteilnehmer, starb den Heldentod am 9. November 1914 bei Ypern.“

Otto Blau aus Neukirchen berichtet, dass sein Onkel Otto Blau am 19. November 1914 im Lazarett in Brüssel an seinen am 12. November erhaltenen Wunden bei Ypern gestorben sei. Zur Erinnerung trägt er dessen Namen. Aus Treysa starben bei den Kämpfen in Belgien in 1914 Justus Cramer und Werner Albrecht.

Auch Heinrich Schmidt starb im Alter von 26 Jahren beim Vordringen in das neutrale Belgien, erzählt seine Enkelin Christel Gerstmann aus Ziegenhain. Er hatte erst im März 1914 geheiratet. Sein Sohn, ihr Vater, der im Dezember 1914 geboren wurde, kam als Halbwaise zur Welt.

Von Bernd Lindenthal

Quelle: HNA

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