"Heute riecht es besser"

Auftakt zum Kaiserfest: Berichte über das Leben im Mittelalter

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Gab es im Mittelalter: Clemens Lohmann mit Folterinstrumenten. Foto: Yüce

Fritzlar. Würde Kaufmann Gottfried Terkis heute zum Kaiserfest mit mittelalterlichem Markt in Fritzlar kommen, er wäre ganz sicher sehr erstaunt. „Über die Sauberkeit in der Stadt und darüber, dass alles gepflastert und wohlriechend ist", sagt Clemens Lohmann.

Von dem Kaufmann, der im Jahr 1430 in Fritzlar gelebt haben könnte, berichtet der Historiker und Stadtarchivar in einem Vortrag am Donnerstag, 19.30 Uhr, im Hardehäuser Hof.

„Von ehrbaren Bürgern, Hurengängern und armen Schluckern“, so der Titel der Veranstaltung, die das Kaiserfest eröffnen wird.

Der Titel sei übrigens provokant, sagt Lohmann und schmunzelt. Es werde in seinem Vortrag zum Beispiel um den Beruf des Baders gehen. „Da gab es manch pikante Situationen“, so Lohmann. Diesen werde er nachspüren - in Worten und Bildern. „Es gibt Gemälde und Holzschnitte von Badeszenen, aber auch noch viel mehr zu sehen.“

Lohmann sagt, er gehe mit seinen Zuhörern auf eine Zeitreise. Dabei gibt er einen Einblick in die spätmittelalterliche Stadt mit ihren Häusern, Straßen und Kirchen. Anschaulich stellt er auch die einzelnen gesellschaftlichen Schichten vor - Klerus, Bürgertum und Handwerker - und erzählt, wie sie zu dieser Zeit lebten und agierten.

An Markttagen habe in Fritzlar immer großes Gedränge geherrscht. „Das wird auch diesmal beim Kaiserfest wieder so sein“, sagt Lohmann. Allerdings gibt es längst keine Torwächter mehr, die genau kontrollieren, was die auswärtigen Gäste mitbringen.

„Kaufmann Terkis würde durch den Landwehr geritten kommen, die Türme und den Dom sehen. Das würde ihm bekannt vorkommen.“ Ebenso wie mindestens sieben alte Gebäude auf dem Marktplatz. „Dazu das Rathaus und die Minoritenkirche.“ Auch einige Straßennamen würde er wieder erkennen. Die Schilderer- und die Grebengasse etwa.

Allerdings würde er wohl darüber staunen, dass alle Flächen mit Glas verschlossen sind. „Schaufenster gab es früher nicht“, sagt Lohmann. Damals war es gerade modern, bunte Fenster herzustellen. „Für die Kirchen zum Beispiel.“ Und auf den Märkten habe man nur lebensnotwendige Dinge kaufen können. Auch das sei heute anders.

Überhaupt sei das meiste eben nicht mehr so, wie einst bei den ursprünglichen Mittelaltermärkten. „Das ist auch gut so, denn was wir heute erleben, ist sehr idealisiert“, erklärt Lohmann. Tatsächlich sei das Leben im Mittelalter anstrengend gewesen. Den Anspruch, das Leben von einst tatsächlich abzubilden, den gibt es heute so nicht mehr. Doch 1982 war das noch anders. Damals war Fritzlar eine der ersten Städte, die einen Mittelaltermarkt organisierte. „Kramer, Zunft und Kurzweil“, hieß der.

Daraus entwickelt habe sich das Kaiserfest. Lohmann ist etwas erstaunt und zugleich erfreut, dass das Mittelalter die Besuchermassen anlockt. „Es ist ja nicht die Rokoko-Zeit.“ Im Mittelalter sei alles viel ärmlicher und einfach gewesen. Glas- und Zinngeschirr gab es nicht. Würde man keine Gläser und kein Geschirr beim Kaiserfest anbieten und die Marktleute so rumlaufen, wie die Menschen einst, dann wäre es vermutlich nicht so attraktiv, sagt Lohmann und zeigt Zeichnungen aus dieser Zeit. „Es war alles viel beschwerlicher.“

• Auftaktveranstaltung zum Kaiserfest: Vortrag von Stadtarchivar Clemens Lohmann. Donnerstag, 14. August, 19.30 Uhr, Hardehäuser Hof, Fritzlar, Eintritt 2 Euro, Karten an der Abendkasse.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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