Malerkolonie Willingshausen: Fotografin Köhne ist neue Künstlerstipendiatin

Hier hat sie es blau auf weiß: Künstlerin Anja Köhne freut sich auf die Aufträge, die in den kommenden Wochen in diesen Briefkästen landen. Foto: Rose

Willingshausen. Anja Köhne wartet auf Aufträge. Und die bekommt die neue Willingshäuser Künstlerstipendiatin tatsächlich per Post. „Liebe Anja, fotografiere mir“ ist auf den Postkarten mit der knallblauen Kamera auf der Vorderseite zu lesen.

Überall in Willingshausen liegen die Karten aus. Passend dazu gibt es Briefkästen: Am Reutern- und am Hirtenhaus, im Rathaus in Wasenberg. Anja Köhne ist Fotografin. Menschen aus der Region können der 27-Jährigen in den kommenden Wochen Aufträge geben. Was die Künstlerin letztlich aus den Ideen macht, das zeigt sie zum Abschluss ihres dreimonatigen Stipendiums in einer Ausstellung ab 14. Juni in der Willingshäuser Kunsthalle.

In den vergangenen drei Wochen sind knapp zwei Dutzend Aufträge eingegangen – Reales, aber auch Fiktives. Kati Werkmeister wünscht sich, dass Anja Köhne Glück fotografiert, Bürgermeister Heinrich Vesper schlägt seinen Rosenbogen vor. „Ich nutze Fotografie nicht allein als abbildendes Medium, sondern gehe künstlerisch damit um“, sagt die 27-Jährige. Anja Köhne spielt mit den Objekten, wählt Ausschnitte oder setzt gezielt Überbelichtung ein – sie rückt Dinge in ihr rechtes Licht, wie auf einer Bühne.

Damit hinterfragt die Künstlerin den Abbildcharakter der Fotografie, erforscht aber gleichzeitig den Realitätsgrad des Motivs. Ihre Eindrücke und Erfahrungen werden zeitgleich zur Ausstellung in einem Blog erscheinen. „Ich hoffe, dass ich über meine Arbeiten auch mit den Willingshäusern in Diskussion komme“, sagt sie. Denn sie liefere nicht das Bild im Kopf. „Mancher Auftraggeber wird sehr überrascht sein“, verspricht sie. „Aber ich freue mich darauf, wenn die Menschen ihre Bilder im Kopf mit dem entstandenen Foto abgleichen.“

Nach drei Wochen in der Schwalm hat sich Anja Köhne eingelebt: „Anfangs hab ich mir im Haus überall den Kopf gestoßen, weil ich dachte, ich passe durch“, erzählt die Künstlerin. „Aber ich finde es sehr heimelig.“ Kürzlich war sie ein paar Tage in Berlin und glaubt, den Rhythmus der Schwalm schon ein wenig in sich aufgesogen zu haben. „Ich gehe einen Schritt langsamer, weil ich hier nicht so viel muss. Es passiert ganz viel mit dem Kopf, ich werde freier und gelassener“, beschreibt Köhne ihre Eindrücke.

Die Aufträge mittels Karten zu bekommen, findet sie reizvoll. „Und ich glaube, dass die Art der Kontaktaufnahme mit einer niedrigeren Hemmschwelle verbunden als wenn ich die Leute selbst anspreche“, sagt die gebürtige Stendalerin. Aufträge könnten auch anonym erteilt werden. „Nur leserlich sollte es sein.“ Fast täglich erkundet die 27-Jährige die Umgebung mit der Kamera: „Die Landschaft, der Ort ist reich an Motiven – hier kann ich mir in den nächsten Wochen einen riesigen Fundus zusammen suchen“, sagt Anja Köhne.

Quelle: HNA

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